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Nach dem 1. Bundeskongress der Arbeitsloseninitiativen 1982 in Frankfurt entstanden
die "Bundesarbeitsgruppen der Initiativen gegen Arbeitslosigkeit und Armut"
(BAG). Sie verstanden sich als politisch strömungsübergreifend, d.h.
keine politische Strömung wurde ausgegrenzt, themenzentriert arbeitend
(in den Arbeitsgruppen "Bilanz und Perspektiven", "Existentielle
Absicherung", "Beschäftigungspolitik" und "Multinationale
Zusammenarbeit") und basisdemokratisch organisiert - von unten nach oben.
Ergebnisse dieser Zusammenarbeit waren u.a. der 2. Bundeskongress 1988 in Düsseldorf,
die Kampagne gegen die Bedürftigkeitsprüfung, die Kampagne gegen erzwungene
Arbeitseinsätze gegenüber Arbeitslosen und SoztialhilfebezieherInnen,
mit einer Aktion vor dem Haus der Arbeitgeberverbände in Köln, die
Ausarbeitung und Begründung der Existenzgeldforderung und der Aufbau des
europäischen Netzwerks "Itaka" mit mehreren internationalen Treffen.
Eine Mitwirkung besteht auch innerhalb der Nationalen Armutskonferenz.
Die BAG hat in dieser Zeit keine formale Struktur. Jährlich finden mindestens
zwei mehrtägige Tagungen statt. Vorbereitung und Durchführung liegt
jeweils in der Verantwortung der veranstaltenden Gruppe. Beschlüsse, Stellungnahmen
usw. werden soweit als möglich nach dem Konsensprinzip gefasst. Der Informationsaustausch
zwischen den Tagungen wird über die Arbeitslosenzeitung quer sichergestellt.
Bereits Mitte der 80er Jahre verließ ein Teil der gewerkschaftlichen
Initiativen diese Zusammenarbeitsebene und gründete die Koordinierungsstelle
der gewerkschaftlichen Arbeitsloseninitiativen in Bielefeld. Nach 1990 etablierte
sich der Arbeitslosenverband (ALV) in Ostdeutschland. So konnten sich in den
vergangenen zehn Jahren nach dem 2. Bundeskongress die "Bundesarbeitsgruppen
der Initiativen gegen Arbeitslosigkeit und Armut" nicht zu dem übergreifenden
Zusammenschluss der verschiedenen Jobber-, Sozialhilfe- und Erwerbsloseninitiativen
entwickeln, der angestrebt war.
Die gewerkschaftliche Koordinierungsstelle in Bielefeld, der ALV, die Bundesarbeitsgemeinschaft
der Sozialhilfeinitiativen (BAG-SHI), die Euromarsch-Koordination, die Bundesarbeitsgruppen
- sie alle haben in der Vergangenheit eigene Organisationsstrukturen und eigene
Politikformen entwickelt.
Die Existenzgeldforderung, von den Bundesarbeitsgruppen im Februar 1992 als
Grundsatzposition verabschiedet und damals von allen Zusammenschlüssen
getragen, hat sich noch nicht zu der inhaltlich bestimmenden Klammer entwickelt,
als die sie gedacht war.
Dennoch spielt sie in der einen oder anderen Form eine gewisse Rolle innerhalb
der Diskussion verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen. Und auch auf europäischer
Ebene gewinnt der Ruf nach einem Recht auf Einkommen an immer größerer
Bedeutung.
2. Nach den "Jagodatagen"
Nach den Aktionstagen 1998 zeigte sich die Notwendigkeit einer organisatorischen
und inhaltlichen Neubestimmungen derjenigen Initiativen und Gruppen von Arbeitslosen,
die sich keiner Großorganisation oder Institution verpflichtet fühlten.
Daher wurde von den Initiativen, die in der zweiten Hälfte der neunziger
Jahre kontinuierlich innerhalb den bestehenden Strukturen politisch gearbeitet
hatten, die Neuformierung der Bundesarbeitsgruppen der Initiativen gegen Arbeitslosigkeit
und Armut angestrebt und vorbereitet.
Auf der Basis einer inhaltlichen Plattform gründete sich im Januar 1999
die Bundesarbeitsgemeinschaft unabhängiger Erwerbsloseninitiativen als
ein lockerer Zusammenschluss von etwa 35 Initiativen und einigen EinzelkämpferInnen.
Die Klammer dieser BAG-Erwerbslose war fortan die unabhängige Position
im Spektrum der Erwerbslosenorganisationen, der basisdemokratische Anspruch
und ein systemkritischer Ansatz der Beteiligten.
Im April und Mai 1999 fanden in einigen Städten von der BAG-Erwerbslose
organisierte, zeitlich begrenzte Protestaktionen mit einheitlichen, an die neue
Regierung gerichteten Forderungen statt. Inhaltlich knüpften diese Forderungen
an die der Aktionstage an, wenn sie auf eine Korrektur der christlich-liberalen
Kürzungs- und Disziplinierungspolitik und auf materielle Verbesserungen
für Erwerbslose, SozialhilfebezieherInnen und AsylbewerberInnen abzielten.
Die Kampagne hatte jedoch nicht die erhoffte Wirkung in der Öffentlichkeit.
Es wurde klar, dass das Mobilisierungspotential unter den Arbeitslosen im Vergleich
mit den so genannten "Jagodatagen" 1998 ein Jahr später nicht
mehr vorhanden war. Ein Hauptgrund dafür war wohl die verbreitete Hoffnung
der Betroffenen auf eine Wende in der Sozialpolitik unter der neuen Regierung
Schröder. Zudem war gerade von den Gewerkschaften kaum Unterstützung
für eine Kampagne gegen eine sozialdemokratisch geführte Regierung
zu erwarten. Auch war das Interesse der Medien am Thema Erwerbslosigkeit im
Schatten des Kosovokrieges und in Anbetracht der eingeleiteten "Sozialreförmenchen"
sehr gering. Der Protest wurde nicht gehört und die wenigen Aktiven hatten
ihre Kräfte stark beansprucht.
Seit der ersten Jahreshälfte 1999 zeigten vor allem die großen europaweiten
Demonstrationen unter Beteiligung der europäischen Märsche anlässlich
der EU-Gipfel in Köln, Nizza, Göteburg, Genua, Brüssel und zuletzt
in Barcelona, dass eine breite Mobilisierung von Erwerbslosen zusammen mit linken
GewerkschafterInnen, KritikerInnen der Globalisierung und anderen Gruppierungen
der Linken aus ganz Europa mit vereinten Kräften möglich ist. Im Spektrum
der hier vertretenen Gruppen liegen im Übrigen nach Einschätzung der
BAG-Erwerbslose die nötigen Übereinstimmungen und das Potential für
die breiteren politischen Bündnisse der Zukunft.
Die BAG-Erwerbslose trieb unterdessen im Laufe der Jahre 1999 und 2000 auf
drei Bundestreffen die inhaltliche und organisatorische Konstituierung voran.
Vor allem in den Arbeitsgruppen zu den Themen "sozialdemokratische Modernisierung",
"Widerstand auf den Ämtern" und "Existenzgeld" konnte
die inhaltliche Auseinandersetzung und politische Positionierung als Zusammenschluss
mit systemkritischem Ansatz konkretisiert werden.
Die Versuche einer organisatorischen Zusammenführung der bisher lockeren
Strukturen mit dem Ziel, einen kontinuierlichen Austausch zwischen den Gruppen
herzustellen und gleichzeitig mehr Handlungsfähigkeit als Sprachrohr der
unabhängigen Erwerbslosengruppen zu gewinnen, waren hingegen weitgehend
erfolglos. Der harte Kern der wenigen BAG-Aktiven war weiterhin in den Initiativen
zu finden, die auch die alte Bundesarbeitsgemeinschaft geprägt hatten.
Um dieser Situation Rechnung zu tragen, finden seit der zweiten Hälfte
des Jahres 2000 die BAG-E-Treffen nur noch im engeren Kreis der Aktiven statt.
Für große Bundestreffen fehlt es zurzeit an konkreten Aktionsperspektiven.
Die gemeinsame Arbeit beschränkt sich auf den Informationsaustausch, die
Erörterung der politischen Entwicklung und die Festlegung unserer Schwerpunkthemen.
Die BAG-Erwerbslose hat seitdem zwar ihre Öffentlichkeitsarbeit intensiviert,
sie tritt jedoch zurzeit im Rahmen von Erwerbslosenprotest nicht bundesweit
auf, sondern sie lebt von den Aktionen der Initiativen und Gruppen vor Ort.
Auf einem Koordinierungstreffen Ende 2001 sprachen sich die TeilnehmerInnen
dafür aus, im Jahr 2002 wieder ein großes Bundestreffen zu organisieren.
Um aber im Vorfeld die Möglichkeiten und das Mobilisierungspotential für
eine Neuauflage des Protests zusammen mit den anderen Erwerbslosenzusammenschlüssen
auszuloten, wurde beschlossen, weitere konkrete Schritte vom Ergebnis der Konferenz
der Erwerbslosen- und Sozialhilfeorganisationen in Anfang März 2002 Dresden
abhängig zu machen.
3. Themen und Positionen - Aktivitätsniveau und Aktionsformen der BAG-Erwerbslose
Aus den Arbeitsschwerpunkten der drei Arbeitsgruppen innerhalb der BAG- Erwerbslose
konstituieren sich die politischen Positionen und die Praxis des Zusammenschlusses:
Die bereits zu Beginn der 90er Jahre formulierte und später weiterentwickelte
Exgeldforderung ist nach wie vor ein zentrales Anliegen der BAG-Erwerbslose.
Diese in Zusammenarbeit mit der BAG-SHI konzipierte Forderung zielt vor allem
auf die Zurückdrängung der Dominanz von Erwerbsarbeit und auf grundlegende
gesellschaftliche Veränderungen ab. Als Waffe im Kampf um die Köpfe
kommt es daher nicht nur auf die konkrete Realisierung des Existenzgeldes an,
sondern auch auf den Charme und die Überzeugungskraft, mit der diese Form
der Existenzsicherung für eine gesamtgesellschaftliche Alternative wirbt.
Die Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft, die sich mit dem Konzept der "sozialdemokratischen
Modernisierung" auseinander setzte, war es künftige Konfliktfelder
mit der neuen Regierungspolitik auszumachen und frühzeitig in politischen
Widerstand umzusetzen. Die Einschätzung, dass der sozialdemokratische Korporatismus
- die Einbindung gesellschaftlicher InteressenvertreterInnen in neue Arenen
der Politikgestaltung - und ein neuer Stil der Politikvermittlung, die notwendige
Akzeptanz für die Durchsetzung der rot-grünen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
schaffe, erwies sich als richtig. Diese Politik wurde von der BAG-Erwerbslose
von Anfang an als Fortsetzung der neoliberalen Umverteilung begriffen und verurteilt.
Die praktische Konsequenz dieser Analyse war die Kampagne im Frühjahr
1999. Deren zentrale Forderungen an die rot-grüne Bundesregierung waren
u.a.:
- 300 DM Sofort-Ausgleich für gestiegene Kosten!
- Keine Anrechnung des Kindergeldes auf die Sozialhilfe und sonstige
Haushaltseinkommen!
- Rücknahme aller Kürzungen und Schikanen im SGB III, insbesondere;
- der Meldekontrolle
- des Bewerbungszwangs
- der Auflösung des Berufsschutzes
- der jährlich dreiprozentigen Kürzung der Arbeitslosenhilfe!)
- Streichung des Asylbewerberleistungsgesetzes!
Auch wenn diese Forderungen bei den Betroffenen durchaus positiv aufgenommen
wurden, entfalteten sie nicht das erhoffte Mobilisierungspotential und die Protestaktionen
mit Besetzungen von Parteibüros, Arbeits- und Sozialämtern, die klar
an die Adresse der Regierungsparteien gerichtet waren, fanden in der Öffentlichkeit
keinen Widerhall.
Im Folgenden waren es vor allem die Auswirkungen der so genannten Reformenpolitik
und der fortscheitenden Deregulierung auf dem Arbeitsmarkt, die die Themen Arbeitszwang,
Leiharbeit und die Ausweitung des Niedriglohnsektors in den Fokus der politischen
Arbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft stellten. Aktionen zu diesen Themen waren
immer in einen regionalen Kontext eingebettet, liefen demnach dezentral ab und
wurden von einzelnen Gruppen, Initiativen oder von regionalen Bündnissen
getragen.
Die aktuelle Entwicklung, die von rot-grüner "workfare-Politik"
gezeichnet ist, hat die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe
sowie das "Job-AQTIV-Gesetz" und die Privatisierung der Arbeits(losen)verwaltung
auf die vordersten Plätze der politischen Agenda gesetzt. Gerade hier sehen
wir dringenden Handlungsbedarf aber auch die Möglichkeiten gemeinsam mit
anderen Organisationen Widerstand zu leisten und - gerade jetzt im Wahljahr
- in die öffentliche Debatte einzugreifen.
Neben dem kollektiven politischen Widerstand von Erwerbslosen und Verbündeten
sind die Formen des individuellen Widerstands ein dritter und überaus wichtiger
Bereich der politischen Praxis der BAG-Erwerbslose. Mit Hilfe einer offensiven
Beratung von Betroffenen sollen Ansprüche auf Leistungen und Rechte durchgesetzt
und gesichert werden. Hier engagieren sich vor allem die Initiativen vor Ort,
deren Arbeit aber auch durch den gegenseitigen Austausch innerhalb des Zusammenhangs
verbessert werden soll.
4. Faktoren der Entwicklung der BAG-Erwerbslose
a. Interne Entwicklungsfaktoren
Nach dem positiven Start auf dem konstituierenden Bundestreffen waren die nachfolgenden
bundesweiten BAG-Erwerbslose-Treffen der Jahre 1999 und 2000 sowohl für
die Formulierung gemeinsamer Protestformen, als auch für die Weiterentwicklung
der Organisationsstruktur der BAG-E weniger erfolgreich. Die Fortschritte, die
hier erzielt wurden, beschränkten sich weitgehend auf die inhaltliche Positionierung.
Eine Ursache dafür war die hohe Fluktuation der TeilnehmerInnen von Bundestreffen
zu Bundestreffen. Es gab keine Kontinuität in der Debatte, und es war häufig
nicht möglich auf die Ergebnisse der vorangegangenen Treffen aufzubauen.
Zudem fehlte den TeilnehmerInnen eine konkrete Aktionsperspektive. Mit einem
Ziel vor den Augen hätte die Diskussion kanalisiert und neue Aktivisten
hätten für eine kontinuierliche Arbeit innerhalb der BAG-Strukturen
gewonnen werden können. Die erfolglose Kampagne Anfang 1999 wirkte wiederum
als Hemmschuh für spätere Aktionen, weil das Mobilisierungspotential
fortan eher pessimistisch eingestuft wurde, und die wenigen aktiven Gruppen
keine Lust mehr hatten auf das Abenteuer einer bundesweiten Kampagne mit zweifelhaftem
Ausgang.
Die Gründe dafür, dass die organisatorischen Strukturen innerhalb
der BAG-Erwerbslose nur wenig Fortschritte machten, lagen in den vergangen Jahren
vor allem an den unzureichenden personellen Kapazitäten. Die konkreten
Vorgaben der Bundestreffen, wie die Organisation der BAG-E auszusehen hätte,
konnten nicht verwirklicht werden, weil der engen Kreis der Aktivisten zum einen
die inhaltliche Positionierung vorantrieb, zum anderen mit der Arbeit in den
Initiativen vor Ort schon völlig ausgelastet war oder dort für die
Existenz der Gruppe kämpfte.
Hier muss angemerkt werden, dass der Zusammenschluss über keinerlei finanzielle
Mittel für hauptamtliche MitarbeiterInnen und die Einrichtung einer Geschäftsstelle
verfügt.
Das Ziel, mit kontinuierlicher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit als Sprachrohr
der unabhängigen Erwerbsloseninitiativen und -gruppen aufzutreten, wurde
unter diesen Voraussetzungen nicht erreicht. Lediglich der Informationsaustausch
mittels neuer Medien konnte verbessert werden.
b. Externe Entwicklungsfaktoren
Nachdem Ende 2000 die Versuche gescheitert waren, gemeinsam mit anderen Erwerbslosenzusammenschlüssen
einen breit angelegten Protest gegen die Verschärfung der Zwangsmittel
in der Arbeitsförderung und gegen die rot-grünen "Aktivierungsreformen"
zu initiieren, zogen sich aktive Erwerbslose aus den Initiativen zurück
und einige Gruppen lösten sich ganz auf. Das geringe Mobilisierungspotential
innerhalb der gesamten Bewegung und die fehlenden Impulse von außen hatten
demnach auch eine lähmende, zum Teil zersetzende Wirkung auf die internen
Strukturen der BAG-Erwerbslose.
Das Thema Erwerbslosigkeit verschwand zunächst aus den Medien. Bei einigen
Aktiven und gerade bei potentiellen Bündnispartnern gewann im Zuge der
Militarisierung der deutschen Außenpolitik das Engagement für friedenspolitische
Ziele an Bedeutung. Diese Kräfte waren also an anderer Stelle gebunden.
Auch weil es den Erwerbslosenorganisationen nicht gelang, das Soziale im Innern
mit dem wiedererwachten Machtstreben nach außen inhaltlich zu verbinden.
Während dieser Flaute konnte die BAG-Erwerbslose lediglich gemeinsam mit
dem Zusammenschluss linker GewerkschafterInnen einen grundlegenden Konsens in
Positionen zur Sozialpolitik und zum Niedriglohnsektor erzielen. Aus diesen
Gemeinsamkeiten resultierten aber keine politische Aktivitäten mit nennenswerter
Außenwirkung - etwa in die Gewerkschaften oder die Betriebe hinein.
Die BAG-E musste sich fortan also darauf einstellen, dass die Position der
unabhängigen Erwerbsloseninitiativen in der Öffentlichkeit kaum Gehör
finden würde. Selbst nach dem rapiden Anstieg der Arbeitslosenzahlen seit
der zweiten Hälfte des Jahres 2001 können wir keine Bewegung in der
öffentlichen Debatte erkennen: Erwerbslosigkeit wird dort als individuelles
Schicksal begriffen, die Schuld dafür wird den Betroffenen aufgebürdet,
die nicht "fleißig" oder "flexibel" genug sind, ihre
Arbeitskraft zu vermarkten. In dieser entsolidarisierten, auf Besitzstand ausgerichteten
Gesellschaft existiert die Spaltung zwischen den Erwerbstätigen und den
aus der Erwerbsgesellschaft ausgeschlossenen Arbeitslosen fort.
Und solange all denen, die noch einen mehr oder wenig existenzsichernden Job
haben, nicht klar ist, dass auch sie von Arbeitslosigkeit bedroht sind, kann
der ökonomische Druck auf Erwerbslose und SozialhilfebezieherInnen und
der Zwang in prekäre Beschäftigung weiter verschärft werden,
ohne dass die erwerbstätige Mehrheit ihren Anteil daran nimmt.
5. Die Stellung der BAG-Erwerbslose in den neuen Bundesländern
Bis auf einige informelle Kontakte konnte der Zusammenschluss im Osten Deutschlands
bisher nicht Fuß fassen. Nur in Ostberlin gab es eine aktive Initiative
und es gibt dort noch einige AktivistInnen, die dem BAG-E Unterstützerkreis
zugerechnet werden können.
Aufgrund der vorhandenen Strukturen das ALV und der eigenen Schwäche, sich
nach außen zu repräsentieren, war es der BAG-Erwerbslose kaum möglich
ihre Präsenz im Osten soweit auszubauen, um zumindest die eigenen Positionen
in die Diskussion dort einzubringen. Diese Blockade soll durch eine engere bundesweite
Zusammenarbeit der Erwerbslosen- und Sozialhilfeorganisationen auf der Ebene
des Runden Tisches aufgebrochen werden.
6. Ausblick
Im kommenden Wahlkampf wird die Massenarbeitslosigkeit wieder eines der Schlüsselthemen
werden, und die politisch aktiven Erwerbslosen können sich bereits ausmahlen,
wie dieses von den WahlkämpferInnen populistisch ausgeschlachtet werden
wird. Hier droht jedoch eine Situation, in der sich die etablierten Parteien
mit ihren Lösungsvorschlägen gegenseitig überbieten werden, die
alle mehr oder minder nach dem einen Aktivierungs-, Zwangs- und Kürzungsmuster
gestrickt sind. Dem aktuellen Einheitsbrei, der in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
gekocht wird, müssen wir aber öffentlichkeitswirksam unsere eigenen
Positionen und Alternativen entgegensetzen, auch wenn sie nicht in das allgegenwärtige
ökonomische Verwertungsschema der Mächtigen passen.
Darum baut die BAG-Erwerbslose darauf, dass die auf der Konferenz der Erwerbslosen-
und Sozialhilfeorganisationen Anfang März in Dresden beschlossene Zusammenarbeit
für eine gemeinsame Kampagne gegen die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe
und die Mobilisierung für eine zentrale Protestaktion vor den Bundestagswahlen
neuen Schwung in die Erwerbslosenbewegung bringt. Nur mit vereinten Kräften
und der Bildung von breiteren Bündnissen können sich die bestehenden
politischen Zusammenschlüsse entschieden zur Wehr setzen gegen die ständigen
Angriffe auf die Ansprüche und Rechte von Arbeitslosen, SozialhilfebezieherInnen
und allen Menschen, die in dieser Erwerbsgesellschaft ausgegrenzt sind.
Frank Jäger
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