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BAG-E Info 04/2000
16.04.00
Hallo MitstreiterInnen und UnterstützerInnen,
die längere Funkstille von meiner Seite hatte ihre Gründe. Daraus
resultieren u.a. einige Änderungen, die für euch sehr wichtig sein
könnten:
Die Anschrift für den Postverteiler hat sich geändert.
Sie lautet jetzt:
Frank Jäger
Schleusenstr. 11
60327 Frankfurt
fax: 069-24006770
Es gibt neue E-Mail Adressen.
Zum Erhalt der halbmonatlich erscheinenden Info-Pakete eine E-Mail an
verteiler@bag-erwerbslose.de . (Das gilt natürlich nur die neuen Interessierten.) Dort können auch Beiträge und Infos hingeschickt
werden.
Für Anregungen / Material für die BAG-E Homepage bitte eine E-Mail an
homepage@bag-erwerbslose.de .
Kontakt zur BAG-E kann mensch künftig aufnehmen per E-Mail:
kontakt@bag-erwerbslose.de
Die Postadressen sind:
BAG-Erwerbslose
c/o FALZ
Solmsstr. 1a
60486 Frankfurt/Main
fon: 069-70 04 25
fax: 069-70 48 12
oder
BAG-Erwerbslose
c/o ALSO Oldenburg
Kaiserstr. 19
26122 Oldenburg
fon: 04 41 - 1 63 13
fax: 04 41 - 1 63 94
Die wichtigen Änderungen vorweg und nun die WEITEREN THEMEN in
dieser langen INFO:
- Einladung zum nächsten Treffen in Fulda
- Antirassistischer Erwerbslosenprotest?
Diskussionspapier von Soziale Offensive Kassel für den Flüchtlingskongress (21.4. - 1.Mai) in Jena
- Arbeitslosen- bzw. Sozialtickets
- Veranstaltung zu Existenzgeld in Frankfurt
- Artikel über den Runden Tisch der Erwerbslosenzusammenschlüsse
1. Treffen der BAG-Erwerbslose vom 12. - 14.Mai 2000 in Fulda
Ort: DGB-Jugendbildungsstätte Fulda
Magdeburgerstr. 69
36037 Fulda (Wegbeschreibung siehe unten)
Beginn: 12.5. (18 Uhr)
Ende: 14.5. (14 Uhr)
Vorläufige Tagesordnung:
- Berichte aus den Städten
- Bericht der Arbeitsgruppen
- Modernisierung
- Sozialleistungskürzungen/Widerstand (Niedriglohn, Arbeitsdienste)
- Existenzgeld
Umsetzung der Aufgaben aus den letzten drei BAG-Treffen
- Treffen des Runden Tisches der Erwerbslosenorganisationen;
Durchführung einer Arbeitskonferenz am 17./18.Juni und einer Kampagne "Gegen Arbeitszwang und Billigjobs - für ein existenzsicherndes Einkommen" im Frühherbst
- Nationale Armutskonferenz, Europaweite Aktivitäten
- Arbeit, Kommunikation und Organisation der BAG (Vorlage eines Konzeptes zur Organisationsstruktur, Möglichkeit der Finanzierung durch das BMA)
- Verschiedenes ( Treffen der Gewerkschaftslinken, Vorlegung von drei Plakate, bundesweite Demo im Herbst, Homepage BAG)
Verbindliche Anmeldung bis 01.05.2000 an
Projekt Sozialberatung
Arnold-Bode-Str. 10
34127 Kassel
oder per E-Mail an den BAG-E Verteiler (verteiler@bag-erwerbslose.de)
Kostenbeitrag: maximal 70 DM pro Mann/Frau für eine Übernachtung plus
Essen. Der Kostenbeitrag für Leute ohne Kohle liegt bei 40 DM pro Tag.
Alle, die es sich leisten können, werden gebeten den vollen Betrag von 70
DM zu zahlen, damit die BAG-E nicht draufzahlen muss.
Das Konto, auf das der Betrag (max. 140 DM) bitte im Voraus überwiesen
werden soll, kann ab Mitte April unter der Telefonnummer 0561/891529
erfragt werden.
Wegbeschreibung:
- Mit der Bahn:
Der Bahnhof ist zehn Fußminuten von dem Haus entfernt.
Bahnhof Fulda, Ausgang Esperantostraße; links in den Zieherser Weg;
nach ca. 50 Metern in den Fußweg Esperantostr. einbiegen; den großen
Parkplatz (Ochsenwiese) schräg - in Richtung Spielplatz - überqueren; die
Treppe empor et voilà.
- Mit dem Auto:
Aus Richtung Kassel und Würzburg: A7 bis zur Ausfahrt Fulda Nord; B27
Richtung Fulda geradeaus bis zur zweiten Ausfahrt (Ziehers Nord) an der
ersten Ampel rechts in die Magdeburger Straße; das Haus befindet sich
nach ca. 500 Metern auf der rechten Seite.
Aus Richtung Frankfurt; A66 bis Fulda; die A66 wird vor Fulda zur B27;
Fahren bis Abfahrt Ziehers Nord; rechts Richtung Stadtmitte, rechts in die
Magdeburger Straße, das Haus befindet sich nach ca. 150 Metern auf der
rechten Seite
2. Antirassistischer Erwerbslosenprotest?
Diskussionspapier von Soziale Offensive Kassel für den
Flüchtlingskongress (21.4. - 1.Mai) in Jena
Der folgende Text soll als eine Diskussionsgrundlage für eine mögliche
Zusammenarbeit von Erwerbslosen- und Flüchtlingsinitiativen auf dem
Flüchtlingskongress: "Unite against deportation and social exclusion" vom
21.4. bis 1.5. 2000 dienen. Er ist noch ein wenig "roh". Wir wollen ihn
hiermit im BAG-Zusammenhang zur Diskussion stellen. Die Thementage
"Soziale Ausgrenzung und Staatsrassismus", zu denen wahrscheinlich
welche von hier hinfahren, finden am 25. & 26. April statt. Mehr Infos
unter:
http://www.humanrights.de/congress
Kontakt mit uns: soziale.offensive.kassel@gmx.de
Antirassistischer Erwerbslosenprotest?
Erwerbslosen-Proteste in Deutschland
Unter dem Eindruck der Proteste in Frankreich bildeten sich 1998 auch in
Deutschland Zusammenschlüsse von Erwerbslosen, die an monatlichen
Aktionstagen vor den Arbeitsämtern demonstrierten. Im Gegensatz jedoch
zum französischen Vorbild entstand hierzulande kaum das Bild einer
eigenständigen und selbstbewussten Bewegung.
Es gab, bis auf einige lokale Ausnahmen, kaum entwickelte autonome
Zusammenschlüsse von Erwerbslosen. Neu entstandene Initiativen wurden
zwar von Gewerkschaften unterstützt, waren aber gleichzeitig von einer
Vereinnahmung bedroht. Denn in der Regel stellten die Gewerkschaften
nicht einfach nur solidarisch ihre Infrastruktur, sondern auch
gleichzeitig
die Parolen für die inhaltliche Ausrichtung des nächsten Aktionstages zur
Verfügung. In der Berichterstattung wurden die Inhalte der Proteste
zusätzlich reduziert. Der entstandene Eindruck vom bittstellenden
Arbeitslosen, der sich von einem Regierungswechsel mehr Arbeitsplätze
verspricht, scheint durch die weitere Entwicklung bestätigt worden zu
sein:
obwohl sich die Situation von Erwerbslosen und prekär Beschäftigten unter
rot-grün objektiv weiter verschlechtert, haben die Proteste seit dem
Regierungswechsel stark nachgelassen.
Für eine unabhängige und radikale Selbstorganisation!
Entgegen der medialen Präsentation gab es im Rahmen der Aktionstage
auch Proteste, die sich entschlossen gegen Einkommenskürzungen,
Niedriglohnjobs, Kontrolle und Disziplinierung richteten. Kollektiv wurden
Arbeitsämter besucht oder besetzt, Börsen gestürmt, Banken und
Autohäuser besetzt, Strassen blockiert und Lebensmittel ohne Bezahlung
aus Supermärkten organisiert.
Die beteiligten Initiativen bildeten "horizontale" Bündnisse mit anderen
Basisinitiativen: mit Antifa- Autonomen-, Frauen-, Studierenden und
SchülerInnengruppen.
Einige dieser Initiativen trafen sich im Januar 1999 auf einem Treffen der
Bundesarbeitsgemeinschaft unabhängiger Erwerbsloseninitiativen (BAG-E),
um in Anbetracht des Regierungswechsels die Bedingungen für eine
unabhängige und radikale Selbstorganisation der Erwerbslosen zu
diskutieren.
Die Versammlung entschied sich, den Versuch einer Kampagne
("Champagne'99") zu unternehmen, um die neue Regierung durch
bundesweite gleichzeitige Besetzungen von SPD-Häusern zur Umsetzung
unserer Minimalziele zu zwingen. Eine von vier Forderungen: Streichung
des Asylbewerberleistungsgesetzes - Volle Sozialhilfe für alle.
Die Kampagne erwies sich als undurchsetzbar: auch wenn wir in einigen
Städten zumindest eine erste befristete Besetzung durchführen konnten,
waren wir doch zu schwach, um langfristig Druck aufzubauen.
Seit dem Sommer 1999 versuchen wir, die "Modernisierungspolitik" von
rot-grün und ihre Auswirkungen auf die Situation Erwerbsloser und prekär
Beschäftigter zu analysieren und angemessene Gegenpositionen und
Methoden des Widerstandes zu entwickeln. Wir forcieren eine Vernetzung
mit anderen sozialen Bewegungen.
"Sozialabbau", Arbeit und Rassismus
Wir begreifen Flüchtlinge und MigrantInnen mit irregulärem Aufenthalt als
Erwerbslose oder prekär Beschäftigte: durch faktische Arbeitsverbote sind
sie auf ungeschützte illegale Beschäftigung oder gesenkte Sozialhilfe
angewiesen. Trotzdem ist die BAG-Erwerbslose bisher ein
Zusammenschluss weißer Deutscher oder EU-Europäer.
Bei der oben geschilderten "Champagne'99" haben wir die Bekämpfung
des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) zu einer unserer
Kernforderungen erhoben. Für uns schien es absurd, für die Rechte von
SozialhilfebezieherInnen zu kämpfen und gleichzeitig den massenhaften
Ausschluss von MigrantInnen aus den Systemen sozialer Sicherung
stillschweigend hinzunehmen. Flüchtlinge und UnterstützerInnen haben seit
der Einführung des AsylbLG immer wieder entschlossen und radikal gegen
die Schikanen und Leistungskürzungen gekämpft. Wir wollten uns durch
praktische Solidarität als Bündnispartner anbieten und gleichzeitig durch
konkrete Forderungen eine Abgrenzung gegen rassistische Positionen
unternehmen.
Die Auseinandersetzung mit der Situation von Flüchtlingen hat uns
allerdings verdeutlicht, dass sich unsere Forderungen nicht auf den Erhalt
eines regulären Sozialhilfeanspruchs beschränken können. Es wurde klar,
dass sich die Ausgrenzung von Flüchtlingen aus dem regulären Sozialrecht
von anderen Maßnahmen des sogenannten "Sozialabbaus" unterscheidet.
Allgemeine Verschärfungen im Arbeitslosen- und Sozialhilferecht sollen
nach unserer Einschätzung den Zwang zur Aufnahme schlecht bezahlter
Drecksjobs erhöhen und die Sozialausgaben senken. Damit sinken die
Lohnkosten, was Deutschland Konkurrenzfähigkeit im internationalen
Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte einbringt.
Speziell gegen Flüchtlinge gerichtete Kürzungen und Zwangsmaßnahmen
wie die Internierung in Heimen und Verpflegung mit Fertigfraß sind
dagegen kostspielig und dienen sicher nicht der Einsparung öffentlicher
Mittel. Gleichzeitig sind die Sozialhilfekürzungen nach AsylbLG mit einem
faktischen Arbeitsverbot verbunden: es kann also auch nicht davon
ausgegangen werden, dass durch das AsylbLG Niedriglohnjobs etabliert
werden sollen. Der Effekt von Leistungskürzungen und -streichungen, dass
Leute dadurch in illegale Beschäftigung mit Niedrigstlöhnen gezwungen
werden, ist zwar bekannt und wird vielleicht auch wohlwollend in Kauf
genommen. Davon auszugehen, dass dieser Effekt vom Gesetzgeber
gewollt ist, scheint uns aber abwegig.
Das Asylbewerberleistungsgesetz ist bezeichnenderweise als einziges
Sozialleistungsgesetz nicht in das Sozialleistungsrecht eingebunden. Es
ist dem Ausländerrecht, einem Recht der "Gefahrenabwehr" zugeordnet.
Arbeitsverbote, Unterbringung in Lager, Residenzpflicht und die drohende
Abschiebung gehen mit den Sozialhilfekürzungen einher und bilden
insgesamt Rahmenbedingungen, die MigrantInnen ein regelgerechtes
Leben hier unmöglich machen sollen.
Die Situation erwerbsloser Flüchtlinge unterscheidet sich somit
grundlegend von der Situation deutscher Erwerbsloser.
Wenn Sozialleistungskürzungen und Zwangsmaßnahmen gegen Deutsche
den selbstbewussten Gebrauch staatlicher Leistungen verhindern und eine
Grundlage zur Etablierung von Niedriglohnjobs schaffen sollen, bieten sie
trotz allem noch ein Integrationsangebot. Als EmpfängerInnen staatlicher
Fürsorge und noch als diejenigen, die dazu gezwungen werden sollen,
einen Arbeitsdienst zu erbringen, behalten deutsche Erwerbslose einen
Platz innerhalb der nationalen Gemeinschaft.
Leistungskürzungen gegen Flüchtlinge dienen dagegen in Verbindung mit
den anderen Sondergesetzen dazu, sie aus Deutschland zu vertreiben und
sie als illegitime Eindringlinge zu stigmatisieren.
Arbeitsrechte und sozialstaatliche Garantien bleiben auf (EU-)
StaatsbürgerInnen beschränkt. Diese "allgemeinen" Bürgerrechte sind
Privilegien, weil sie nicht allen hier lebenden Menschen gewährt werden.
Im Rahmen der Festung Europa ergänzt Apartheid nach innen die
Abschottung nach außen.
Diese Politiken stellen - ökonomisch gesehen - den Versuch der
westlichen Wohlstandsinseln dar, ihren Reichtum zu verteidigen.
Massenhafte Verarmung, Superausbeutung und Überlebenskämpfe, also
die Kehrseiten der kapitalistischen Reichtumsproduktion sollen "draußen"
gehalten werden.
Migration in die BRD ist heute fast nur noch gegen den Widerstand einer
hochgerüsteten Abwehrmaschinerie möglich.
MigrantInnen treffen aber auch auf den rassistischen Widerstand der
ansässigen Bevölkerung. Die These, dass das rassistische Ressentiment
von einer, von oben umgelenkten "legitimen Wut der Armen" genährt wird,
geht u. E. am Problem vorbei. Auch deshalb, weil unter den Bedingungen
des Kapitalismus und verstärkt durch die Entrechtungen, durch die sie
reguliert werden soll, Einwanderung die Konkurrenzverhältnisse um Arbeit
und Entlohnung real verschärfen muss. MigrantInnen aus ärmeren Ländern
treten vor allem als NiedriglohnkonkurrentInnen auf. Die Annahme, dass
sozialstaatliche Leistungen nur erhalten werden können, wenn sie nicht
"überstrapaziert" werden, lässt sie zudem als KonkurrentInnen um knappe
öffentliche Versorgungsmittel erscheinen. Unter diesen Umständen wird der
deutsche Pass zu einem Trumpf, der bewusst und in unmittelbarem
Eigeninteresse ausgespielt wird.
Die Nazi-Forderung "Arbeit und Sozialhilfe zuerst für Deutsche" wurde
nicht nur von den "Volksparteien" der Regierung durch- und umgesetzt: deutsche
ArbeitnehmerInnen und Erwerbslose lassen sich auf diesem Wege ihre
Privilegien sichern. Der Erhalt des rassistischen Ausschlusses ist die
Option derer, die sich die Folgen der ökonomisch produzierten Krisen vom
Hals halten wollen, ohne die bestehende Ordnung in Frage zu stellen.
Auch müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass der sich so formierenden
nationalen "Solidargemeinschaft" aus Staat, Gewerkschaften und
Lohnabhängigen hierzulande kaum eine kosmopolitische Tradition sozialer
Kämpfe entgegensteht.
Toutes ensemble?
In Frankreich kämpfen unter der Parole "toutes ensemble" - alle zusammen
- Menschen ohne Papiere, ohne Arbeit oder ohne Wohnung gemeinsam.
Erwerbslosen-, Flüchtlings- und antirassistische Organisationen beziehen
sich auf dieses französische Vorbild. Die Positionen, die eine
entsprechende Bündnispraxis ermöglichen, müssen hier jedoch noch
entwickelt und artikuliert werden.
Wenn wir als privilegierte Erwerbslose, Jobber, Studis oder wie auch immer
wir uns gerade durchschlagen oder organisieren zu einer antirassistischen
Praxis gemeinsam mit MigrantInnen und Flüchtlingen finden wollen,
müssen wir angesichts der oben geschilderten Situation einige
Schwierigkeiten fokussieren.
Uns den Forderungen der organisierten Flüchtlinge und der konkreten
Praxis der gegen alle Widerstände einreisenden MigrantInnen
anzuschließen, heißt zunächst an den Staat die Forderungen nach
Bürgerrechten für alle und nach offenen Grenzen zu richten. Es dürfte klar
sein, dass dieses Ziel ohne Einschränkung zu erreichen momentan
genauso unwahrscheinlich ist wie eine weltweite Revolution (, diese aber
impliziert).
Bewegungen, die auf diesen Horizont hin arbeiten, müssen in der
Auseinandersetzung mit den existierenden Widersprüchen des deutschen
Apartheitssystems effektiv werden.
Antirassistische Solidarität bedeutet für uns konkret, MigrantInnen dabei
zu
unterstützen sich Zugang zu verschaffen: Zugang nach Europa, bzw.
Deutschland, Zugang zu Rechten und Versorgungsansprüchen und -
zwangsläufig von besonderer Bedeutung - Zugang zum Arbeitsmarkt.
Ausdrücklich auch dann müssen wir für ihr Interesse an Jobs eintreten,
wenn MigrantInnen unter den Bedingungen von Illegalisierung,
Arbeitsverboten und Leiharbeitsverträgen nur dadurch eine Chance haben,
dass sie Lohn- und Arbeitsstandards unterbieten. Um einen gemeinsamen
Kampf gegen Lohndrückerei führen zu können, müssen wir zuerst das
"Recht auf Konkurrenz" teilen.
Damit treten wir in Opposition zu der von den Gewerkschaften bevorzugten
Praxis, der Sicherung von Löhnen den Vorrang einzuräumen, was sie
regelmäßig zum Partner von Polizei und Arbeitsamt in der Verfolgung
illegal Beschäftigter werden lässt.
Unter antirassistischen Prämissen kann ein Schutz vor Ausbeutung nur in
selbstorganisierten Kämpfen erwirkt werden. Der Staat garantiert
Tariflöhne
und soziale Standards nur, indem er den Kreis der Begünstigten
einschränkt. Das gleiche gilt für den Sozialstaat als Verteiler direkter
Versorgungsleistungen. Sozialstaatlichkeit bedeutet im Prinzip Fürsorge in
Verbindung mit Kontrolle, Begünstigung in Verbindung mit Ausschluss.
Deshalb können wir nicht den Sozialstaat verteidigen. Als "Garant sozialer
Gerechtigkeit" oder als "solidarische Umverteilungsmaschine", von der alle
kriegen könnten, was sie brauchen, stellt er eine (linke) Fiktion dar, die
durch "Tragbarkeitsberechnungen" ("das können >wir< uns nicht leisten")
politisch leicht neutralisiert wird.
Den - hemmungslosen - Gebrauch von Sozialleistungen wollen wir
durchaus verteidigen: als Schutz vor Armut, sowie als Teil eines Kampfes
gegen die Arbeit, d.h. gegen den Zwang, unsere Leben zu veräußern. Aber
die Ablehnung des Sozialstaates selbst als Instrument rassistischer
Ausgrenzung erscheint uns als ein notwendiger erster Schritt zu einer
antirassistischen Positionierung im Rahmen der Erwerbsloseninitiativen.
3. Arbeitslosen- bzw. Sozialtickets
a. Berlin
Pressemeldung von SEMTIX und ARBEITSLOSENTICKET JETZT
Aufsichtsratssitzung verschiebt verbundweites Semesterticket und das
Arbeitslosenticket auf den Sankt-Nimmerleins-Tag
Berliner Studierende und ArbeitslosenhilfeempfaengerInnen lassen sich
nicht gegen Schueler, Familien, andere Arbeitslose, Sozialschwache und
BVG-NutzerInnen ausspielen. "Eine allgemeine Preiserhoehung fuer die
Einfuehrung des reduzierten Semesterticketangebotes und eines
ArbeitslosenHILFEtickets wird es mit uns in Berlin nicht geben!" so die
Laenderkoordination Semesterticket der Berliner und Brandenburger
Studierendenschaften und der Zusammenschluss der Berliner
Erwerbslosen "Arbeitslosenticket Jetzt!".
SEMTIX und ARBEITSLOSENTICKET JETZT lehnten auf ihren Sitzungen
im Anschluss an die VBB-Aufsichtsratssitzung (Dienstag, 12.04.) das nicht
verbundweite Semesterticketangebot und das
ArbeitslosenHILFEticketangebot der BVG ab. Sie fordern gemeinsam die
Berliner PolitikerInnen auf, die Parlamentsbeschluesse sowie den
Koalitionsvertrag zum Arbeitslosenticket und zum Semesterticket endlich
durchzusetzen. Im Koalitionsvertrag (Dezember 1999) heisst es:
"Zielgruppenorientierte Tarifangebote muessen vor allem die Zahl der
Stammkunden erhoehen. Sie muessen sozial Schwaechere genauso
erreichen Wie Schuelerinnen und Schueler, Studierende oder Familien mit
Kindern. Eine guenstige Umweltkarte, ein Semesterticket, Kombitickets,
Mehrfahrtenkarten, Job- und Sozialtickets sind hierfuer geeignete
Instrumente. Fuer das Semesterticket wird ein Einfuehrungspreis in der
Groessenordnung von 215 DM pro Semester fuer das Verbundgebiet
angestrebt. (...). ... Fuer das Arbeitslosenticket ist ein Preis von 40 DM
anzustreben. (...)".
DIE STUDIERENDEN FORDERN
- Semesterticketpreis von maximal 215 DM fuer Berliner, 199 DM fuer Potsdamer und 119 DM fuer Brandenburger Studierende
- Inklusive einer Sozial- und Haertefallregelung
- Kostenlose Mitnahme von Kindern bis zum 14. Lebensjahr
- Unbefristete Einfuehrung mit Preisstabilitaet fuer zwei Jahre
DIE ERWERBSLOSEN FORDERN
- Das Arbeitslosenticket muss fuer alle Erwerbslosen gelten und nicht nur fuer ArbeitslosenhilfeempfaengerInnen
- Die Monatskarte darf maximal 40 DM kosten
- Die Tageskarte darf maximal 5,20 DM kosten
- Der Einzelfahrschein darf maximal 2,60 DM kosten
STUDIERENDE UND ERWERBSLOSE FORDERN GEMEINSAM
- Arbeitslosenticket und Semesterticket muessen im gesamten Tarifbereich des VBB gelten
- kostenlose Fahrradmitnahme
ARBEITSLOSENTICKET JETZT! c/o IG Medien, Dudenstr. 10, 10965 Berlin,
T: 788 009-49 (MI 16-18h), Fax 788 009-20
Pressearbeit: Antje Grabenhorst, Aktionsbuendnis Erwerbslosenproteste,
T: 217 55 659
SEMTIX c/o AStA TU Berlin, Villa BEL - 2. OG, Marchstr. 6, 10587 Berlin,
T: 314-25133/25883, Fax: 312 13 98
teilnehmende Studierendenschaften: AStA EFH Berlin, AStA FHSS Berlin,
AstA FHTW Berlin, AStA FHVR Berlin, AStA FHW Berlin, AStA FU Berlin,
AStA HdKb Berlin, AStA HfM Hanns Eisler, AStA HfS Ernst Busch Berlin,
RefRat der HU Berlin, AStA KFB Berlin, AStA KH Weissensee, AStA TFH
Berlin, AStA TU Berlin, AStA FH Brandenburg, Studentenrat BTU Cottbus,
AStA EUV Frankfurt/O, AStA FH Lausitz, SprecherInnenrat FH Potsdam,
AstA Universitaet Potsdam
i.A. Semtix-Laenderkoordination, Semtix-Beauftragter HU
ReferentInnenrat des StudentInnenparlaments der HU Berlin
Referat fuer Oekologie und Umwelt
Unter den Linden 06
D-10099 Berlin
Tel: +49-(0)30/2093 2603 /-14
Fax: +49-(0)30/2093 2396
semtix@fh-brandenburg.de
http://www.refrat.hu-berlin.de/semtix
b. Augsburg
Auf die beharrliche Initiative eines Mitstreiters aus Augsburg wurde die
Stadtratsfraktion der Grünen aktiv und stellte dort einen Antrag für die
Einführung eines Arbeitslosentickets im dortigen Stadtrat, der an den
Berliner Entwurf angelehnt ist. (Der Letztere ist ja inzwischen als
Wahlkampfpropaganda entlarvt.)
"Nachdem sich die Stadtratsfraktion der SPD zuerst geweigert hatte,
diesen Antrag zu unterstützen, ist sie jetzt in sozialdemokratischer
Manier auf den Zug gesprungen. Wie sich die Sache allerdings entwickeln wird,
mag in den Sternen stehen, denn es ist wie immer das Gejammere vom
Geld..." (, so der Mitstreiter aus Augsburg).
Wir werden über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden gehalten.
4. Veranstaltung zum Existenzgeld in Frankfurt
Am Mittwoch den 24. Mai um 19.30 ´im Club Voltaire.
Existenzgeld
Resümee und Ausblicke einer Debatte um die Zukunft der Lohnarbeitsgesellschaft.
Referent: Hans-Peter Krebs.
Hinweis: Im Mai erscheit das von Hans-Peter Krebs und Harald Rein
herausgegebene Buch zur Exgelddebatte im Verlag Westfälisches
Dampfboot. In diesem Band wird das Thema unter unterschiedlichen
Gesichtspunkten in Beiträgen verschiedener Autoren beleuchtet.
5. Artikel über den Runden Tisch der Erwerbslosenzusammenschlüsse
Die Anfang des Jahres wiederbelebte Kooperation der Erwerbslosen- und
Sozialhilfeinitiativen und -Zusammenschlüsse trägt erste Früchte. Der
Runde Tisch, der auch Zentrale Aktionsrat-ZAR genannt wird, hat eine
gemeinsame Plattform formuliert und plant eine Kampagne "Gegen
Arbeitszwang und Billigjobs". Neben einer Arbeitskonferenz, die am 17./18.
Juni wahrscheinlich in Frankfurt/Main (???) zum Thema stattfinden soll,
sind in der zweiten Jahreshälfte dezentrale Aktionen sowie im Herbst eine
zentrale Demo im Rahmen eines breiteren Bündnisses geplant.
Mehr darüber könnt ihr in dem Artikel "Der ZAR soll's richten!" in der
quer vom April 2000 lesen (S. 2).
Soviel von meiner Seite. Wer Beiträge für die BAG-E INFO hat, möge sich
unter den o.a. Adressen melden.
Vielleicht sieht mensch sich auf dem Treffen in Fulda. Bis dann...
Solidarische Grüße
Frank
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