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BAG-E Info 05/2000 die Erste

04.05.00

Hallo MitstreiterInnen und UnterstützerInnen,

heute ist die Mobilisierung zu den diversen EU-Protestveranstaltungen der Schwerpunkt der INFO. Die Leute vom Euromarschverteiler werden das eine oder andere schon kennen (sorry!).

Die Themen:

  1. Terminkalender zu EU-Mobilisierungen
  2. Aufruf zur Euromarsch-Mobilisierung
  3. Mit dem Gratiszug gegen den EU-Gipfel nach Paris Entwurf für eine Plattform
  4. Die Kampagne des ZAR / Runden Tisches der Erwerbslosenzusammenschlüsse (Plattform)
  5. BAG-E Treffen in Fulda
    'Last minute' Anmeldung ist möglich!!!
  6. Noch mal die neuen Adressen


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1. Terminkalender zu EU-Mobilisierungen

  • 9.Juni, Brüssel
    Demonstration mit anschließendem Symposium der Europäischen Märsche zum Thema "Europaweite Mindeststandards für Einkommen" - anlässlich des Gipfeltreffens des europäischen Unternehmerverbands UNICE.

  • 19.Juni, Porto (Portugal)
    Demonstration des Europäischen Gewerkschaftsbunds - anlässlich des EU-Gipfels. Die Europäischen Märsche werden daran teilnehmen.

  • 25.Juni, Genf
    Demonstration der sozialen Bewegungen, Nicht-Regierungsorganisationen und Gewerkschaften anlässlich des UN-Sozialgipfels (Nachfolgegipfel von Kopenhagen). Sechs Monate nach Seattle, drei Monate nach Washington geht der Kampf gegen WTO und weltweite Deregulierung weiter.

  • 14.Oktober
    Mobilisierungen anlässlich des EU-Gipfels in Biarritz;
    Abschlussdemonstration des Frauenmarschs 2000 in Brüssel.

  • Anfang Dezember, Paris
    Großkonferenzen von Espace Marx und ATTAC zum Thema Globalisierung

  • 2. und 3.Dezember, Paris
    Europäische Versammlung der Erwerbslosen und ungeschützt Beschäftigten.
    Evtl. anschließend:
    Gemeinsame Initiative mit den UnterstützerInnen des Aufrufs Bourdieu, der französischen Liga für Menschenrechte u.a. zu den sozialen Grundrechten. Großes Rockkonzert.

  • 7.Dezember, Nizza
    Großdemonstration der Europäischen Märsche, der Gewerkschaften und sozialen Bewegungen anlässlich des EU-Gipfels.



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2. Aufruf zur Euromarsch-Mobilisierung

Auf nach Nizza!

Die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Europäischen Union werden am 7.Dezember in einer Regierungskonferenz in Nizza über eine institutionelle Reform der EU und über eine Charta der Grundrechte in der Union abschließend beraten.
Nach Maastricht und Amsterdam wird sich die EU einen neuen Vertrag geben. Ausgehend von der bisher vorgesehenen Tagesordnung steht zu befürchten, dass er wieder einmal nichts anderes bringen wird als einen weiteren Rückzug der EU-Staaten aus der sozialen Versorgung und dem öffentlichen Dienst.

Während sich der prognostizierte Wirtschaftsaufschwung in Europa bestätigt und die Unternehmen traumhafte Gewinne einfahren, haben Millionen von uns keine andere Zukunft als weitere Massenentlassungen, zunehmend ungeschützte Beschäftigung und Armut.

Zusammen mit den sozialen Bewegungen und zahlreichen europäischen Gewerkschaften fordern die Erwerbslosenorganisationen in der Bundesrepublik:

  • dass die sozialen Grundrechte als verbindliches und einklagbares Recht für alle in Europa lebenden Menschen in das Vertragswerk der EU verankert werden,
  • dass in Europa und in der übrigen Welt ein Mindeststandard für Sozialleistungen, Löhne und Renten eingeführt wird, n dass die Regierungen sozial und tariflich abgesicherte Arbeitsplätze schaffen,
  • das Ende der unmenschlichen Abschiebepolitik der EU-Staaten,
  • das Ende der Deregulierung von Löhnen, Sozialleistungen und Arbeitsmarkt,
  • das Ende einer "Beschäftigungs"politik, die Menschen trotz Arbeit in Armut treibt.

Die Unterzeichnenden rufen alle auf, gegen Massenerwerbslosigkeit und Armut den europaweiten Protest des "Europa von unten" zu setzen - Erwerbslose, Sozialhilfebezieherinnen und -bezieher, prekär Beschäftigte, soziale Bewegungen, MigrantInnen und Flüchtlinge, Gewerkschaften und politische Parteien:
Lasst uns am 7.Dezember 2000 in Nizza zu einer eindrucksvollen Demonstration der sozialen Bewegungen in Europa zusammenkommen! Beteiligt euch an der europäischen Versammlung der Erwerbslosen am 2. und am 3.Dezember in Paris!

Zu der Versammlung sind neben VertreterInnen von Bundes- und Landeszusammenschlüssen vor allem Vertreterinnen und Vertreter örtlicher Einzelinitiativen geladen. Hauptthemen der Versammlung werden ein europäischer Mindeststandard für Löhne, Sozialleistungen und Renten sowie eine Charta der sozialen Grundrechte in Europa sein (siehe Terminliste). (Die Termine sind vorläufig.)

Unterzeichnerinnen und Unterzeichner:
Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen, Bielefeld;Europäische Märsche gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung, Rassismus und Ausgrenzung; Arbeitsloseninitiative Thüringen (ALI); Arbeitslosenverband Deutschland e.V. (ALV); Bundesarbeitsgemeinschaft Erwerbslose (BAG-E).
Weitere Unterschriften an: <webmaster@euromarches.org>.



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3. Mit dem Gratiszug gegen den EU-Gipfel nach Paris

Entwurf für eine Plattform

Wir wollen im Herbst mit dem Zug nach Paris fahren, ohne zu bezahlen und ohne unsere Ausweispapiere zu zeigen, um dort mit vielen Menschen, Gruppen, ImmigrantInnenorganisationen und sozialen Bewegungen gemeinsam gegen das Europa des Kapitals, der Männerbünde und des Rassismus auf die Straße zu gehen.

Hinter, vor und zwischen den Grenzen, die für Menschen ohne ausreichende finanzielle Mittel und für ImmigrantInnen aufgrund rassistischer Kontrollen in dem 'Europa ohne Grenzen' immer noch bestehen, wollen wir uns mit Freunden und FreundInnen aus anderen europäischen und außereuropäischen Ländern treffen, uns vernetzen und gemeinsam den antirassistischen Gratiszug nach Paris ermöglichen. Seit Jahren gehören diese Gratiszüge in Frankreich und Italien zum Repertoire der politischen Praxis sozialer Bewegungen. In einer gemeinsamen Praxis von Arbeitslosengruppen, sozial Ausgegrenzten und (illegalisierten) ImmigrantInnen steht die mit den Gratiszügen verbundene Forderung der 'Bewegungsfreiheit für Alle, unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft' für mehr: Grastiszüge sind eingebettet in eine antirassistische Praxis, die die für uns unsichtbaren und für ImmigrantInnen tödlichen, innereuropäischen Grenzen (Bahnhöfe, Restaurants, Straßen, Taxis) im öffentlichen politischen Raum thematisiert; Gratiszüge stehen symbolisch für das Recht auf ein kostenloses Leben, unabhängig von dem Zwang zur Lohnarbeit, unabhängig von dem kapitalistischen 'Naturgesetz', das festschreibt, für welche Art von gesellschaftlicher Arbeit die Reichtümer und Profite ungleich verteilt werden; Gratiszüge stehen für ein anderes Leben, in dem menschliche Produktivität und Kreativität nicht mehr dem Diktat der Lohnarbeit unterworfen sind, sondern sich frei entfalten können, je nach der Fähigkeit und dem Bedürfnis der Einzelnen, unabhängig von Geschlecht und Hautfarbe.

Insbesondere die sozial Ausgegrenzten, die in der Arbeitslosenbewegung 1997-1998 in Frankreich auf die Straßen gingen, sich in den Nobelrestaurants umsonst verpflegten, öffentliche Verkehrmittel wie selbstverständlich ohne zu bezahlen nutzten und die Pariser Börse besetzten, haben gezeigt, daß in diesem unseren Leben nichts mehr erbittelt und erbettelt werden soll. Sie nahmen sich, was auch ihnen gehört, worauf sie ein Recht haben, ebenso wie alle Individuen dieses Erdballs. Die Welt, von der wir träumen, und die Gesellschaftsform, die wir anstreben, ist eine Lebensform ohne Herrschaft, Ausbeutung, Unterdrückung, ohne Klassen und kapitalistischen Arbeitszwang, ohne Sexismus und heterosexuellen Einheitszwang, ohne Diskriminierung und Verfolgung aufgrund der Hautfarbe und Herkunft, eine Welt ohne Grenzen.

Seit 1945 gebärden sich die kapitalistischen Gesellschaften zunehmend kontinental, die drei mächtigen, wirtschaftlich und militärisch mächtigen Blöcke EU, USA (Nafta) und Japan (Asean) stehen in direkter Konkurrenz um die Profite, billigen Arbeitskräfte und Rohstoffe der sog. 3.Welt. Die Tendenz zur Europäisierung der bisher nationalstaatlichverfaßten Gesell schaften und Wirtschaften und zur Herausbildung eines kontinentalen Staatskomplex sind unverkennbar, wenn auch nationale Interessen der Einzelstaaten in einzelnen Bereichen immer noch eine wichtige Rolle spielen und dem Vereinheitlichungsprozeß entgegenstehen. Die (noch ausschließlich politisch und wirtschaftliche) Frontstellung der kontinentalen Imperialismen gegeneinander, verlangt nach einer Vereinheitlichung im Innern, nach einem binnenwirtschaftlichen und binnenpolitischen Raum, in dem die Kräfte konzentriert, stabilisiert und zusammengebracht werden können, um weltweit ein Stück des Kuchens abzubekommen. Das 'Europa ohne Grenzen' ist ein Europa, in dem Waren, Geld und Manager frei zirkulieren können, nicht jedoch Flüchtlinge, ImmigrantInnen und Menschen ohne ausreichende finanzielle Mittel. Die 'Festung Europa' ist nicht nur eine militärisch-abgeriegelte Außengrenze der EU, an der jährlich hunderte von Menschen sterben müssen, sondern sie verläuft darüberhinaus quer durch die Länder und die Köpfe der weißen Mehrheitsgesellschaften.

Razzien in Restaurants, rassistische Gesichtskontrollen in Bahnhöfen, Denunziationen von 'illegal' Beschäftigten - das ist der rassistische Normalzustand in europäischen Gesellschaften. Rassistische Selektion dient nicht nur der Regulierung des Einsatzes von billigen Arbeitskräften, je nachdem wie lange und in welchen miesen Jobs sie gebraucht werden, sondern steigert die Identitäten und Selbstbilder 'imaginierter Gemeinschaften', die 'Abendland', 'Okzident', 'Europäertum' oder 'Deutschland' genannt werden. Die Grenze verläuft heute zwischen EU- Bürgern und Nicht-EU-Bürgern, ein neues nach rassistischen Kriterien gestaltetes Staatsbürgerrecht, das die nationalstaatlichen Mechanismen auf dem Kontinent außer Kraft setzt.

Neben der Abgrenzung eines neuen Staatsterritorium und der Neudefinition, wer Bürger sein darf, und wer nicht, nimmt der kontinentale Staatskomplex EU auch auf wirtschaftlicher Ebene Gestalt an. Europäische und europäisierte Konzerne, Fusionsriesen mit hoher Kapitalkonzentration, sprießen seit Jahren aus dem Boden. Im Namen der globalen Konkurrenz setzen die Konzerne in zunehmenden Maße neue Arbeitsformen und Technologien (Computerisierung, Automatisierung, Roboterisierung) durch und fordern von den politischen Instanzen (Staat) die Gewährleistung steuerlicher Nullbelastung und politischer Richtlinien zur freien Zirkulation aller Waren und Gelder. Die Durchsetzung neuer Arbeitsformen und Technologien und die neoliberale Politik europäischer Staaten produzieren Armut und Verelendung, sind sie doch mit der massiven Vernichtung von Arbeitsplätzen und dem Abbau sozialstaatlicher Leistungen verbunden.
Eine parallel dazu, massiv gesteigerte Arbeitshetze soll den Menschen eintrichtern, daß es an der individuellen Verantwortung und Bereitschaft liegt, ob man der Norm der Gesellschaft entspricht, und somit arbeits- und verzichtwillig ist, oder nicht. Dieses überkommene, krankende System des Lohnarbeitszwangs kalkuliert die Verlendung und Verarmung breiter Bevölkerungsteile mit ein - denn angesichts der Effizienz neuer Produktionsformen (Computer werden nicht krank, sie streiken und sabotieren nicht) und der globalen Konkurrenz sind die Konzerne und Regierungen gar nicht daran interessiert, Arbeitsplätze für Alle zu schaffen. Die kapitalistischen Gesellschaften und Brüsseler Technokraten haben keine menschenwürdigen und sozialgerechten Lösungen für die Probleme und Widersprüche, die sie selbst produziert haben. Von dieser Illusion muß sich ein für alle Mal verabschiedet werden.

Bleibt, daß wir unsere Sache, eine herrschaftsfreie, solidarische und sozial gerechte Gesellschaft, in die eigene Hand nehmen - das Glück und die Freiheit, die wir meinen, kann nicht individuell durch den 'run' auf einen Job, der nicht unseren Fähigkeiten und Bedürfnissen entspricht, sondern nur zusammen erreicht werden. Unsere Zukunft liegt in den Koordinationen und Räten, in denen Menschen frei und selbstbestimmt entscheiden können. Wir rufen alle Menschen, Gruppen und sozialen Bewegungen in Europa dazu auf, sich mit uns zu verbünden und viele Gratiszüg nach Paris durchzusetzen. Keinen Wert legen wir dabei auf Funktionäre, Parteien, selbsternannte Avantgarden und Revolutionäre sowie Institutionen, die sich aktiv an sozialpartnerschaftlichen Projekten zwischen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligen. Es geht darum, daß wir zusammen mit vielen anderen Menschen, Gruppen und sozialen Bewegungen in Europa eine alltägliche Praxis entwickeln, die die soziale Ungleichheit und die rassistische Selektion und Diskriminierung hier und heute sichtbar macht und durch neue Formen der Aneignung gesellschaftlicher Werte und Reichtümer überwindet. Dazu gehören Gratiszüge, Gratisessen in Luxusrestaurants, 'Bezahlt-wird-nicht-Aktionen' in Supermärkten genauso wie das Einschreiten gegen rassistische Kontrollen, Razzien und Überfälle auf den Straßen, in Restaurants und in Bahnhöfen.

Für eine europaweite Organisierung und Koordination der sozial Ausgegrenzten, Arbeitslosen und ImmigrantInnen!!!

Grenzen auf für alle - Gegen die rassistische Festung Europa der äußeren und inneren Grenzen!!!

Für die kostenlose Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, ein Recht auf freie Bewegung!!!

Schafft 1, 2, 3, 4, viele Gratiszüge nach Paris!!!

Bericht vom 1. bundesweiten Gratiszug-Treffen am 1. April in Bielefeld

An dem ersten Treffen nahmen Gruppen/Einzelpersonen aus den Städten Reutlingen, Hamburg, Frankfurt, Kassel und Bielefeld teil.

Zunächst wurde kurz die Broschüre vorgestellt. [...]

Es gab verschiedene Einschätzungen zum Erfolg eines Gratiszuges - fest steht jedoch, daß wir weiter machen. Z.Z. ist der Termin des EU-Gipfels in Paris noch unklar (inzwischen hat sich da was getan, siehe Hauptseite), weshalb kein genauerer Zeitplan aufgestellt werden konnte. Wie die Mobilisierung aussieht, wer angesprochen oder mit wem zusammengearbeitet wird, wie die praktische Umsetzung aussieht, ... muß noch weiter diskutiert werden. Dafür ist das näxte Treffen vorgesehen, zu dem alle eingeladen sind:

Am 6. Mai um 13.00 Uhr in Kassel, AZ "Bazille", Sickingenstraße 10, 34117 Kassel.
Anmelden könnt ihr euch unter folgender Adresse:
Soziale Offensive, Hegelsbergstr. 26, 34127 Kassel, soziale.offensive.kassel@gmx.de

Außerdem wird es dort einen Entwurf für ein Plattform-Papier geben, das bundesweit verbreitet werden soll (der Entwurf ist inzwischen hier zu finden).

Aufgepasst! Wir haben zwei Mailinglisten (elektronische Postverteiler) eingerichtet. [...] Details hier. Außerdem gibt's auf unserer Webseite demnächst die Übersetzungen von unserem ersten Diskussionspapier (englisch, italienisch, französisch, türkisch).

http://people.knup.de/~akinter/

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4. Die Kampagne des ZAR/Runden Tisches der Erwerbslosenzusammenschlüsse

Plattform für die Kampagne:

Gegen Arbeitszwang und Billigjobs ­ für ein existenzsicherndes Einkommen!

Es ist kaum zu glauben: Millionen registrierte Erwerbslose, kaum offene Stellen, und trotzdem werden Erwerbslose mit immer schärferen Mitteln zur (fehlenden) Arbeit angehalten. Mit Leistungskürzungen, Sanktionen und z.B. der Pflicht, nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit eine Entlohnung in Höhe der Arbeitslosenunterstützung anzunehmen, wird Druck ausgeübt.

"Jede Arbeit ist besser als keine", heißt es immer öfter. Dabei wird verschwiegen, daß Wirtschaft und Politik kaum noch Anstrengungen unternehmen, existenzsichernde und gesellschaftlich nützliche Arbeitsplätze zu schaffen. Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik reduzieren sich mehr und mehr darauf, Erwerbslose durch einen umfassenden Spar- und Zwangskurs zur Annahme von Billigjobs zu zwingen. Dadurch werden viele Erwerbslose aus dem Leistungsbezug ausgegrenzt. Langzeiterwerbslosen wird die Arbeitslosenhilfe automatisch jedes Jahr um drei Prozent gekürzt, die originäre Arbeitslosenhilfe wurde gestrichen, Arbeitsuchende gezwungen, sich auf alles und jedes zu bewerben und auch unsinnige Trainingsmaßnahmen zu akzeptieren. Millionenfach fehlende Arbeitsplätze werden in fehlende Arbeitsbereitschaft von Millionen umgelogen. Ein gesellschaftliches Problem wird zum individuellen Fehlverhalten erklärt.

Ganz so als ob die, die im Regen stehen, auch noch Schuld am miesen Wetter haben. Vor diesem Hintergrund gerät das Grundrecht, daß niemand zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden darf, zur Makulatur.

Für eine bestimmte Gruppe von Menschen in Deutschland sind solcherart Einschnitte in ihre Grundrechte heute schon gang und gäbe: für Flüchtlinge. Lebensmittelgutscheine und Sozialhilfebezug unterhalb der Armutsgrenze degradieren sie zu Menschen, die man täglich spüren läßt, daß sie keine Rechte haben sollen.

Den Unternehmern geht es gar nicht um die Beseitigung der Erwerbslosigkeit, sondern um die Senkung der Löhne und Sozialleistungen. Bundesweit und auf europäischer Ebene machen sie Druck auf die Regierungen, die Arbeitslosenhilfe perspektivisch zu streichen. Deren BezieherInnen sollen unter dieselben Zumutbarkeitskriterien fallen wie SozialhilfebezieherInnen. Ziel ist, einen Billiglohnsektor zu schaffen, der nicht mehr dem Arbeits- und Tarifrecht unterliegt, wobei leider auch nicht jeder Tariflohn vor Armut schützt.

Eine solche Entwicklung gefährdet nicht nur die Existenz von Erwerbslosen.

Wenn diese aus nackter Not (fast) jede Arbeit zu jeder Bedingung annehmen müssen, dann geraten auch die Löhne und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten unter Druck. Unter den Arbeitsuchenden werden Verdrängungswettbewerb und Unterbietungskonkurrenz angeheizt. Wir lehnen die Überführung der Arbeitslosenhilfe in die Sozialhilfe entschieden ab; sie würde dazu führen, daß viele Erwerbslose ganz aus dem Leistungsbezug herausfallen und wegen der veränderten Zumutbarkeitsregeln nie mehr zu einer Beschäftigung kommen, von der sie anständig leben können. Wir wenden uns auch gegen alle Zwangsmaßnahmen, mit denen Erwerbslose in Billigjobs gedrückt werden.

Dabei gäbe es solidarische Wege zum Abbau der Massenarbeitslosigkeit:
Mit Arbeitszeitverkürzung, Umverteilung der Arbeit und mit der Schaffung eines öffentlichen Beschäftigungssektors könnten qualifizierte und existenzsichernd entlohnte neue Arbeitsplätze entstehen. Eine ausreichende Existenzsicherung, die eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht, muß auch unabhängig von der Lohnarbeit garantiert sein. Alle Menschen haben ein Recht auf ein existenzsicherndes Einkommen, das auch dann garantiert ist, wenn sie aus der Lohnarbeit ausgeschlossen werden.

Aus diesen Gründen wollen wir, die Bundes- und Landesorganisationen der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiativen sowie Beratungsstellen, eine Kampagne "Gegen Arbeitszwang und Billigjobs ­ für ein existenzsicherndes Einkommen" führen. Wir wollen Bilanz ziehen, Alternativen diskutieren und praktische Hilfen für die Arbeit der Initiativen vor Ort erarbeiten. Mit vielfältigen Aktionen zum gleichen Zeitpunkt wollen wir den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen deutlich machen, daß Erwerbslose nicht länger bereit sind, die autoritären Tendenzen in der Sozialpolitik tatenlos hinzunehmen. Die Kampagne soll einen Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit leisten, damit Arbeitszwang und Billiglohn nicht zur gesellschaftlichen Leitlinie werden.

"Wir fordern:"

  • Jede Zwangsvermittlung von LeistungsbezieherInnen muß abgeschafft werden. Die Zumutbarkeitsregelung des SGB III muß gestrichen werden. Maßnahmen im Rahmen der »Hilfe zur Arbeit« und und ähnlichen Programmen dürfen nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden. Wir brauchen wieder ein Recht auf Fortbildung und Qualifizierung.
  • Die vermittelten Beschäftigungen müssen existenzsichernd und sozialversicherungspflichtig entlohnt sein und die vorhandenen Qualifikationen berücksichtigen. Sie dürfen keine existenten Arbeitsplätze ersetzen.
  • Wir brauchen einen existenzsichernden gesetzlichen Mindestlohn statt einer Ausweitung des Niedriglohnbereichs.
  • Die Arbeitslosenhilfe muß erhalten bleiben. Wir fordern die sofortige Erhöhung der Leistungssätze für Erwerbslose, SozialhilfebezieherInnen und Flüchtlinge.
  • Die Arbeit muß umverteilt und die Arbeitszeit verkürzt werden.
  • Das Arbeitsverbot für Flüchtlinge muß abgeschafft werden. Ebenso das Asylbewerberleistungsgesetz.
  • Perspektivisch fordern wir eine existenzielle Absicherung für alle durch ein Einkommen unabhängig von Nationalität, Geschlecht und Familienstand und ohne den Zwang zur Arbeit.

Runder Tisch der Erwerbslosenorganisationen

18. April 2000
Am Runden Tisch arbeiten mit: Arbeitslosenverband Deutschland (ALV) e.V.; BAG Erwerbslose (BAG-E); BAG Sozialhilfeinitiativen (BAG SHI); Europäische Märsche gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung und Ausgrenzung; Koordinierungsstelle gewerkschaftliche Arbeitslosengruppen; Arbeitsloseninitiative (ALI) Thüringen; Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeitslosenprojekte Niedersachsen (ZEPRA); Info-Stelle Rheinland; Info- und Beratungsstelle Westfalen.



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5. Treffen der BAG-Erwerbslose vom 12. - 14.Mai 2000 in Fulda

'Last minute' Anmeldung ist möglich!!!

Ort: DGB-Jugendbildungsstätte Fulda
Magdeburgerstr. 69
36037 Fulda (Wegbeschreibung siehe unten)
Beginn: 12.5. (18 Uhr)
Ende: 14.5. (14 Uhr)

Verbindliche Anmeldung bis 01.05.2000 an:
Projekt Sozialberatung
Arnold-Bode-Str. 10
34127 Kassel
oder per E-Mail an den BAG-E Verteiler (verteiler@bag-erwerbslose.de) Kostenbeitrag: maximal 70 DM pro Mann/Frau für eine Übernachtung plus Essen. Der Kostenbeitrag für Leute ohne Kohle liegt bei 40 DM pro Tag. Alle, die es sich leisten können, werden gebeten den vollen Betrag von 70 DM zu zahlen, damit die BAG-E nicht draufzahlen muss.
Das Konto, auf das der Betrag (max. 140 DM) bitte im Voraus überwiesen werden soll, kann ab Mitte April unter der Telefonnummer 0561/891529 erfragt werden.



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6. Noch mal die neuen Adressen:

  1. Die Anschrift für den Postverteiler hat sich geändert.
    Sie lautet jetzt:
    Frank Jäger
    Schleusenstr. 11
    60327 Frankfurt
    fax: 069-24006770

  2. Es gibt neue E-Mail Adressen.
    Zum Erhalt der halbmonatlich erscheinenden Info-Pakete eine E-Mail an verteiler@bag-erwerbslose.de . (Das gilt natürlich nur die neuen Interessierten.) Dort können auch Beiträge und Infos hingeschickt werden.

    Für Anregungen / Material für die BAG-E Homepage bitte eine E-Mail an homepage@bag-erwerbslose.de .

  3. Kontakt zur BAG-E kann mensch künftig aufnehmen per E-Mail:
    kontakt@bag-erwerbslose.de

    Die Postadressen sind:

    BAG-Erwerbslose
    c/o FALZ
    Solmsstr. 1a
    60486 Frankfurt/Main
    fon: 069-70 04 25
    fax: 069-70 48 12
    oder
    BAG-Erwerbslose
    c/o ALSO Oldenburg
    Kaiserstr. 19
    26122 Oldenburg
    fon: 04 41 - 1 63 13
    fax: 04 41 - 1 63 94

Bis zum nächsten Mal...

Solidarische Grüße

Frank

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