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BAG-E INFO 12/00 die Erste

20.12.2000

Hallo MitstreiterInnen und UnterstuetzerInnen,

entgegen anderslautender Befürchtungen gibt es die BAG-E INFO nach wie vor. Da das Hauptthema im November und Anfang Dezember, die Proteste in Nizza und das Erwerbslosenparlament in Paris, über den Euromarschverteiler lief, hatte ich nicht das Bedürfnis, die gleichen Themen noch mal an die gleichen Leute zu schicken.

Andere Beiträge sind nicht eingegangen, deshalb geht es erst jetzt mit einigen (hoffentlich) neuen Infos weiter.

Inhalt

  1. EXISTENZGELD FÜR ALLE! - Vorschlag für eine Konferenz Ende nächsten Jahres
  2. Arbeitslosenhilfe und Einmalzahlungen: Link zur Musterklage (KO-Stelle)
  3. Die "zweite Chance". Der §119 SGB III und die Stellenmarktoffensive 2000 in Hessen. Link zum Artikel von Harald Rein, in Sozialextra
  4. Augenzeugenbericht aus Nizza. Link zu einem Artikel von Gerhard Klas als Vorabdruck aus der Sozialistischen Zeitung
  5. Obligatorische Hinweise


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Gegen falsche Bescheidenheit... EXISTENZGELD FÜR ALLE!

Vorschlag für eine Konferenz im November 2001 in Frankfurt/M.(Stand November 2000)

Seit einiger Zeit steht die Forderung nach einem garantierten Einkommen für alle auf der politischen Tagesordnung. Wurde bisher hauptsächlich theoretisch über diese Forderung, ihrer Entstehung und ihrer Abgrenzung gegenüber bürgerlichen Konzepten diskutiert, so soll auf diesem Treffen der Versuch unternommen werden, verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammenzuführen, um eine handlungsleitende Perspektive zu entwickeln.

Schon seit vielen Jahren werden unterschiedliche Vorschläge und Vorstellungen zu neuen sozialen Sicherungsmodellen, jenseits der auf Grundlage geregelter Lohnarbeit basierenden Sozialversicherungen, diskutiert und der Öffentlichkeit präsentiert. Sie nennen sich Grundsicherung, Grundeinkommen, Bürgergeld, Negativsteuer usw.
Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie eine Reaktion sind auf die Veränderungen innerhalb der kapitalistischen Arbeitswelt. Stichworte, wie Wandel des Normalarbeitstages, Ausbau von prekären Arbeitsverhältnissen und Abbau des Sozialstaates seien hier stellvertretend genannt.

Was die VertreterInnen dieser Modelle nicht wollen ist eine grundlegende Veränderung von bestehenden sozialen Ungleichheiten und eine dafür benötigte Umverteilung von gesellschaftlichen Reichtum. Und auch der Frage nachzugehen, ob jede gewinnbringende Tätigkeit wünschens- und erstrebenswert ist, spielt bei ihnen keine Rolle. In Zusammenhang mit diesen Modellen wird die gängige Wirtschafts- und Konsumtionsweise als unantastbar vorausgesetzt. Die Bedarfshöhe solcherart von Mindestsicherungen bewegt sich im Bereich der Teilhabe am Existenzminimum (oder noch darunter) und richtet sich gegen eine Entkoppelung dieses Betrages vom Zwang zur Lohnarbeit oder anderer zwangsweise eingeforderten Tätigkeiten.

Im Gegensatz zu den hier anskizzierten Vorstellungen haben bereits Anfang der Achtziger Jahre Erwerbslosengruppen und Sozialhilfeinitiativen einen eigenständigen Vorschlag nach einem Existenzgeld formuliert. Daß es gerade Arbeitslose waren, die ihre Ansprüche ohne wenn und aber zu Papier brachten, hatte einen objektiven Grund: Je dauerhafter die Massenerwerbslosigkeit anhielt, desto deutlicher wurde die Unmöglichkeit des kapitalistischen Systems, jedem Menschen im erwerbsfähigen Alter einen angemessenen Arbeitsplatz oder zumindest eine menschenwürdige materielle Absicherung zu garantieren, und um so häufiger wurde eine Lebensperspektive in Frage gestellt, die ausschließlich die Lohnarbeit als Sinn des Lebens akzeptiert. Ungeniert konnte deshalb ein umfassender Anspruch auf den vorhandenen gesellschaftlichen Reichtum erhoben werden, zumal er nur unter "Mithilfe" der Armen, Arbeitslosen und Ausgebeuteten solche Dimensionen erreichen konnte.

Existenzgeld ist eine Antwort der Arbeitslosen und SozialhilfebezieherInnen auf Armut, Arbeitslosigkeit und unterbezahlte Beschäftigung. Es stellt ein radikal anderes System der Existenzsicherung dar. Existenzgeld muss allen Menschen, unabhängig von Nationalität, Geschlecht und Familienstand und ohne Arbeitszwang ein ausreichendes Einkommen garantieren. Nach unseren Berechnungen beträgt dieses zur Zeit monatlich 1500 DM plus einem angemessenen Beitrag zur Miete. Die materiellen Bedingungen hierzu sind vorhanden. Allerdings setzt es politische Auseinandersetzungen voraus, die entscheiden, wie der gesellschaftliche Reichtum auch der Armutsbevölkerung zugute kommt. Existenzgeld ist real und utopisch zugleich.
Als reale Möglichkeit verdeutlicht es, dass Lohnarbeit kein unveränderbares Schicksal darstellt und auch gegessen werden darf, ohne sich dem kapitalistischen Verwertungsprinzip unterwerfen zu müssen. Dies impliziert auch eine Kritik der realen Lohnarbeit.
Die Forderung baut auf Bewusstseinsveränderung auf und schließt die Notwendigkeit der Umwälzung der alltäglichen Lebensverhältnisse (Konsum, soziale Beziehungen, Akzeptanz verschiedener Lebensentwürfe etc.) ein. Gleichzeitig knüpft sie an bestehende soziale Kämpfe an (Erhöhung der Lohnersatzleistungen und der Sozialhilfe, radikale Arbeitszeitverkürzung, Nulltarif für öffentliche Verkehrsmittel sowie Bildungs- und Kultureinrichtungen usw.). Nur im Zusammenspiel dieser Faktoren wird es eine breite soziale Bewegung für eine gesellschaftliche Veränderung geben. Die Forderung nach Existenzgeld hat deshalb auch utopischen Charakter und beinhaltet somit die Perspektive nach einer anderen Gesellschaft.

In Europa haben erstmals französische Arbeitslose die Forderung nach einem garantierten und bedingungslosen Einkommen in eine breite Bewegung integriert. Flankiert werden diese Aktivitäten durch unterstützende Ausführungen französischer Intellektueller (Gorz, Bourdieu und Castel). In Italien, Spanien, Holland und England wird die Forderung diskutiert und auch in Deutschland stand sie während der Protesttage 1998 an vorderster Stelle.

Mit unserer Tagung im November 2001 knüpfen wir an diese Diskussionen und an bestehende Erfahrungen aus der Praxis an. Wir wollen versuchen, die Bedingungen für eine breite Bewegung für ein garantiertes Einkommen in Deutschland auszuloten. Dazu werden hauptsächlich Basisgruppen, Betroffene, aber auch mögliche Bündnispartner angesprochen, wie z.B. Erwerbslose, SozialhilfebezieherInnen, StudentInnen, SchülerInnen, RentnerInnen, MigrantInnen, Obdachlose, Frauengruppen, sozialpolitische Gruppen und Gewerkschaften. Ein erster Erfolg wäre bereits, diese Gruppen zu einer gemeinsamen Diskussion zu bewegen. Im weiteren ginge es um eine Positionsbestimmung und der Präzisierung der Frage wie ein garantiertes Einkommen in der Praxis durchsetzbar ist.



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2. Arbeitslosenhilfe und Einmalzahlungen - Die Musterklage

Die Arbeitsämter erteilen auf Überprüfungsantrage und Widersprüche negative Bescheide. Die Bielefelder KO-Stelle hat einen Mustertext ins Netz gestellt, um gegen abgelehnte Widerspruchsbescheide zu klagen. Er kann unter: www.erwerbslos.de/ideenboerse/Musterklage.doc heruntergeladen werden.



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3. Die "zweite Chance". Der §119 SGB III und die Stellenmarktoffensive 2000 in Hessen

Der Artikel von Harald Rein, ist in der Doppelnummer 11/12-2000 von Sozialextra erschienen.
Im Netz unter: www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/rein2.html



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4. Augenzeugen-Bericht aus Nizza

Tränengas und Barrikaden.

Artikel von Gerhard Klas als Vorabdruck aus der Sozialistischen Zeitung - SoZ No.26 vom 21.12.2000.
Wieder mal im Labournet unter: www.labournet.de/diskussion/eu/nizza- klas.html



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5. Obligatorische Hinweise

  • Die Anschrift des Postverteiler:
    Frank Jäger
    Schleusenstr. 11
    60327 Frankfurt
    fax: 069-24006770

  • Zum Erhalt der halbmonatlich erscheinenden Info-Pakete eine E-Mail an:
    verteiler@bag-erwerbslose.de . (Das gilt natürlich nur die neuen Interessierten.)
    Dort können auch Beiträge und Infos hingeschickt werden.

  • Für Anregungen / Material für die BAG-E Homepage bitte eine E-Mail an:
    homepage@bag-erwerbslose.de .

  • Kontakt zur BAG-E kann mensch künftig aufnehmen per E-Mail:
    kontakt@bag-erwerbslose.de

  • Die Postadressen sind:

    BAG-Erwerbslose
    c/o FALZ
    Solmsstr. 1a
    60486 Frankfurt/Main
    fon: 069-70 04 25
    fax: 069-70 48 12

    oder

    BAG-Erwerbslose
    c/o ALSO Oldenburg
    Kaiserstr. 19
    26122 Oldenburg
    fon: 04 41 - 1 63 13
    fax: 04 41 - 1 63 94


Das war's voraussichtlich für dieses Jahr. Ich hoffe, ihr habt was zu feiern und wünsche euch schöne Feiertage und 'nen guten Rutsch.

Solidarische Grüße

Frank


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