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Zur BAG-E INFO 02/02 die Zweite BAG-E INFO 02/02 die Erste07.02.02Hallo MitstreiterInnen und UnterstützerInnen,nach der Funkstille im Januar haben uns endlich einige interessante Beiträge
erreicht. Inhalt:
1. Artikel IBrüssel 2001 - Treffen der europäischen Erwerbslosenvon Petra LeichenAm 11./12.01 tagte vor dem EU-Gipfel in Laeken, einem Stadtteil von Brüssel,
die Versammlung der Organisationen gegen Erwerbslosigkeit und Prekarität. In Brüssel haben sich die Erwerbslosenorganisationen aus vielen Mitgliedsländern
der EU getroffen, um die Lage der prekär Beschäftigten und Erwerbslosen
in den verschiedenen Ländern zu analysieren und gemeinsame Forderungen
und Aktionen zu entwickeln. Wir haben uns für die Arbeitsgruppe Einkommen entschieden, einfach weil
wir das Buch " Existenzgeld - Eine Antwort auf die Krise des Sozialen"
mitgeschrieben haben, und von daher schon darauf neugierig waren, welche Ideen
andere Europäer rund um das Einkommen entwickeln. Die Sprache in der Arbeitsgruppe
war französisch, es gab keine zentral organisierte Übersetzung in
irgendeine andere europäische Sprache. Die Redebeiträge wurden dann
auch von belgischen und französischen Rednerinnen dominiert. Delegationen,
die niemanden in ihren Reihen hatten, der französisch dolmetschen konnte,
waren im Prinzip aus der Debatte ausgeschlossen. Nach der Diskussion sind wir zur Vergabe der Schlüssel für die Unterkunft
gegangen, um nach einem entsetzlich schlechten Essen zur Jugendherberge "de
Waterman" aufzubrechen. Dort stellten wir fest, dass wir keinen Strom hatten,
so das wir eine Gaststätte aufsuchen mussten, um mit der Existenzgeldgruppe
der BAG-SHI noch einmal über die Forderung des Euromarsches zu diskutieren. Am Tagungsort angekommen erlebten wir eine angenehme Überraschung. Es gab eine Simultanübersetzung in mehrere Sprachen. Nach mehreren Foren und einer langen Diskussion im Plenum, wo auch wir noch einmal das Existenzgeldkonzept vorstellten, gelang es sich zumindest darauf zu einigen, dass wir gemeinsam ein europäisches Grundeinkommen wollen. Wie das genau aussehen soll, wird später noch ausgearbeitet werden müssen. Nach einem wirklich angenehmen Abend bei türkischem Essen mit Aktivisten
der niederländischen sozialen Bewegung ( es waren auch Betriebslinke dabei)
ging auch dieser Abend vorüber. 2. Artikel IIDeutschland: Offensiv gegen ArbeitsloseRot-grüne Daumenschraubenvon Mag Wompel (Labournet Germany)Der Artikel ist erschienen im schweizerischen Onlinemagazin OWoZ-Online am 31.1.2002, daher die Geldbeträge in Franken Gegen die wieder ansteigende Massenarbeitslosigkeit fallen der Regierung nur alte Rezepte ein - und die kommen von der CDU. Unter denkbar schlechten Vorzeichen für die Regierungskoalition in Deutschland hat der Wahlkampf begonnen. Kanzler Gerhard Schröder wollte sich an der Senkung der Arbeitslosenzahlen messen lassen, doch nun sind über vier Millionen erwerbslos, Tendenz steigend. Und so dominiert ein neuer Aktivismus die Diskussion. Die SPD schlägt zum Beispiel vor, den Kombilohn nach dem "Mainzer Modell" bundesweit einzuführen. Wie andere regionale Modelle hat der in Rheinland-Pfalz erprobte Kombilohn das Ziel, den Unternehmen mehr Billigarbeitskräfte zur Verfügung zu stellen, indem der Staat die Niedriglöhne bezuschusst. Nach dem Mainzer Modell erhalten Beschäftigte, die zuvor erwerbslos gewesen waren und ein Bruttoeinkommen von zwischen 490 und 1350 Franken [325 u. 897 Euro] monatlich beziehen, bis zu 36 Monate lang einen gestaffelten Zuschuss zu ihren Sozialversicherungsbeiträgen und eine höhere Kindergeldzulage. Damit der Betrag nicht unter das Arbeitslosengeld oder den Sozialhilfesatz fällt, verzichtet man darauf, den Kombilohn mit diesen Lohnersatzleistungen zu verrechnen. Den Grünen geht dieses Modell noch nicht weit genug. Sie plädieren für eine Bezuschussung aller Niedriglöhne, also nicht nur bei zuvor Erwerbslosen. Und sie verlangen die Förderung von Teilzeitarbeit im Niedriglohnbereich - dabei können in diesem Bereich nicht einmal Vollzeitarbeitskräfte vom Entgelt leben. Diese Art von Beschäftigungspolitik war einst der CDU vorbehalten. Der Kombilohn war im letzten Wahlkampf (1998) vom damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm ins Gespräch gebracht worden und hatte auf Unternehmerseite sofort Beifall gefunden. In einem Zeitungsinterview bezeichnete der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages Hans-Peter Stihl den Kombilohn recht offenherzig als "Trojanisches Pferd"; mit ihm könne die Wirtschaft Löhne und Sozialhilfe senken. Niedrigere Lohnkosten, höhere Flexibilität, weitere Liberalisierung des Arbeitsmarktes - das fordern die Unternehmen schon lange. SPD-Kanzler Schröder widmet sich im Rahmen seines "Bündnisses für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit" ebenfalls diesen Zielen. Schon 1999 griffen seine Berater die CDU-Vorschläge auf: Tiefere Löhne im Bereich der so genannt unproduktiven Dienstleistungen (wie Handlangerjobs, Putzdienste, Haushaltshilfe) würden dort schnell neue Arbeitsplätze schaffen. Die Gewerkschaften protestierten damals laut gegen solche "McJobs" in deregulierten, prekären Arbeitsverhältnissen, stimmten dennoch noch im gleichen Jahr Modellversuchen in vier Bundesländern zu. McDonald's hält die Hand auf Inzwischen hat sich gezeigt, dass auf diesem Weg bei hohen Kosten nur wenige neue Arbeitsplätze entstehen (beim Mainzer Modell brachte der Staat dreißig Millionen Franken [ca.20 Mio. Euro] für 847 erfolgreiche Vermittlungen auf). Sollte das Modell auf das ganze Land ausgeweitet werden, wird es realistischen Schätzungen zufolge zu höchstens 3000 neuen Stellen und etwa 15 000 Vermittlungen auf vorhandene Arbeitsplätze kommen. Da die Subventionierung befristet ist, fällt der Kombilohn in spätestens drei Jahren sogar noch unter das bisherige Niedriglohnniveau. Der Vorschlag der Grünen bietet den Unternehmen zudem die Möglichkeit, reguläre Arbeitsplätze in mehrere bezuschusste Billig-Jobs aufzusplitten. Die Gefahr, dass hier Verhältnisse verfestigt werden, unter denen Arbeit nicht vor Armut schützt, ist offensichtlich. Interessanterweise haben die Modellversuche auch ergeben, dass überall dort, wo tatsächlich neue Arbeitsplätze entstanden sind, die Subventionen kaum eine Rolle spielten. In Anspruch nahmen sie hauptsächlich die üblichen McJob-Unternehmen in der Gastronomie oder im Reinigungsbereich. McDonald's zum Beispiel ist Dauerkunde. Trotz dieser Ergebnisse sollen die miserablen Arbeitsplätze künftig überall subventioniert werden - wieder mit Duldung der Gewerkschaften, die sich bislang gegen die Ausweitung der Kombilöhne ausgesprochen hatten. Vielleicht glauben sie ja, damit den vermeintlich gewerkschaftsnahen SPD-Kanzler gegenüber Edmund Stoiber zu stärken. Sicher aber ist, dass sich die Gewerkschaften seit je dem Fetisch Arbeit verschrieben haben und Erwerbslose, SozialhilfeempfängerInnen sowie RentnerInnen nicht als ihre Zielgruppe betrachten. Ihr Dachverband, der Deutsche Gewerkschaftsbund, begrüßt grundsätzlich alles, um "Menschen wieder in Arbeit zu bringen". Egal welche Arbeit? Der Vorwurf, die Gewerkschaften hätten mit ihrer an den Interessen der männlichen Facharbeiter orientierten Tarifpolitik die Herausbildung eines Niedriglohnsektors überhaupt erst ermöglicht, ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen. Arbeitsplätze müssen her, egal wie und unter welchen Bedingungen - darüber herrscht in Deutschland ein breiter Konsens. Die Debatte geht längst um schärfere Strafen für Erwerbslose, die nicht existenzsichernde Arbeit ablehnen, sie gelten als "Sozialschmarotzer". Dabei verletzen schon die bisherigen Maßnahmen der Beschäftigungsförderung den Grundgesetzartikel 12, nach dem niemand zu einer Arbeit oder Ausbildung gezwungen werden darf. Trotzdem ist nicht nur beim Kombilohn von Zwangsvermittlung die Rede; wer einen Billig-Job ablehnt, soll mit Leistungsentzug bestraft werden. Die Pläne gehen sogar noch weiter: Erwogen wird, die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld generell auf zwölf Monate zu begrenzen, die Arbeitslosenhilfe ganz abzuschaffen und die Sozialhilfe zu senken, um auch hier die "Motivation zur Arbeitsaufnahme zu erhöhen". Damit ist die SPD nicht weit entfernt von den Plänen der CDU/CSU, die im Falle eines Wahlsieges einen gesetzlich geregelten Niedriglohnsektor schaffen will. Da nach Äußerungen aus SPD-Kreisen die Subventionierung des Niedriglohnsektors ebenfalls "unmoderne" Verweigerungshaltungen brechen soll, steht schon fest, wer die Bundestagswahl auf jeden Fall verlieren wird: die angeblich Leistungsschwachen dieser Gesellschaft. 3. Lob dem MüßiggangZum Konzept der Veranstaltungsreihe des Arbeitskreises Erwerbslose im DGB MarburgDass das Problem der hohen Erwerbslosenzahlen deshalb existiert, weil die Erwerbslosen zu faul sind, wissen wir spätestens seit Gerhard Schröder ihnen ein Recht auf Faulheit abgesprochen hat. Zwar gab es auch Kritik an seiner Äußerung. Doch die ging meistens in die Richtung, zu behaupten, dass die Erwerbslosen gar nicht faul sind. Dadurch wurde aber so getan, dass es schlimm wäre, wenn er recht hätte. Damit ging aber die ganze Diskussion schon in die falsche Richtung. In unserer Veranstaltungsreihe wollen das Problem auf andere Weise angehen... Und zwar am 19.02. mit Prof. Dr. Erich Ribolits, am 28.02. mit Prof. Dr. Holger Heide, am 07.03. mit Mag Wompel und am 25.04.02 mit Prof. Rainer Roth. # Das Konzept mit den Einführungen zu den Veranstaltungen steht unter http://www.bag-erwerbslose/material/konzept-lob_MA.html 4. Rundmail wg. Working PoorVon der KEI - Kasseler Erwerbsloseninitiativen erreichte uns folgende mail: Sehr geehrte Damen und Herren, die nachfolgende Bitte des ZDF-Redakteurs Hans Koberstein erreichte uns anlässlich
der Reaktion auf die Sendung Frontal21 vom 15. Januar 2002 zum Thema 'Sinnloses
Training für Arbeitslose'. Webmaster@Kei-Verteiler +++++++ +++++++ +++++++ +++++++ +++++++ +++++++ +++++++ Betreff: Rundmail wg. Working PoorDatum: Tue, 29 Jan 2002 09:39:20 +0100 Betreff: Re:(3) AW /AW2: ZDF-Sendung Frontal21 vom 15. Januar 2002 'Sinnloses Training für Arbeitslose' Nach der Sendung haben sich sehr viele Betroffene gemeldet, die konkrete Mängel bei Trainings- und Umschulungsmaßnahmen beklagen. Wir wollen weiterhin am Thema dran bleiben. Derzeit verfolge ich die Idee, aufzuzeigen, was für freie Jobs eigentlich
durch das Arbeitsamt angeboten werden und oftmals nicht besetzt werden können:
Zeitarbeitsjobs zu Löhnen von DM 10 bis DM 14. Für einen solchen Beitrag suchen wir Personen, die derzeit in einem solchen Lohndumpingjob arbeiten bzw. vor kurzem dort gearbeitet haben und uns vor der Kamera erklären können, wie sie ihr Überleben organisieren (working poor). Können Sie uns hier weiterhelfen? Für eine Antwort bin ich dankbar und verbleibe mit freundlichem Gruß, Hans Koberstein -----Ursprüngliche Nachricht----- Gesendet: Montag, 28. Januar 2002 20:38 +++++++ +++++++ +++++++ +++++++ +++++++ +++++++ +++++++ Ende des Aufrufs. Wir bitten Sie, sich bei Interesse direkt an Herrn Koberstein Koberstein.H@zdf.de (von Webmaster@Kei-Verteiler) Wie immer gilt: Beiträge für die BAG-E INFO zum Themenbereich Erwerbslosigkeit, Sozialhilfe, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik etc. können per mail an verteiler@bag-erwerbslose geschickt werden. Solidarische Grüße Bundesarbeitsgemeinschaft der unabhängigen Erwerbsloseninitiativen BAG-E Kontakt: |
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