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BAG-E INFO 04/02 die Erste
26.04.02
Hallo MitstreiterInnen und UnterstützerInnen,
gerade noch rechzeitig zu den Aktionen am ersten Mai ist der Aufruf des Runden
Tisches der Erwerbslosen- und Sozialhilfeorganisationen zum bundesweiten Aktionstag
gegen die Zusammenlegung Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe fertig geworden. Dieser
kann als rtf- und pdf-Datei von unserer homepage heruntergeladen werden
(als rtf: http://www.bag-erwerbslose.de/material/dateien/flugi_RT01.rtf
als pdf: http://www.bag-erwerbslose.de/material/dateien/flugi_RT01.pdf)
Es folgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Koalitionsvereinbarung der rot-roten Berliner
Landesregierung.
Außerdem eine Kurzmeldung aus Berlin und einige Neuigkeiten auf unserer
Homepage. .
- Der Aufruf des Runden Tisches für den Aktionstag am 7.6.2002
- Zu der Koalitionsvereinbarung der rot-roten Berliner Landesregierung:
a. offener Brief der "Initiative Anders Arbeiten" und b. die Antwort
Gregor Gysis
- Kurz gemeldet - Erfreuliches aus Berlin
- Neu auf der BAG-E homepage
1. Der Aufruf des Runden Tisches für den 7.6.
Aufruf zum bundesweiten dezentralen Aktionstag...
"Hände weg von der Arbeitslosenhilfe!"
...am Freitag, dem 07.06. 2002
Immer mehr Parteien und Politiker gefallen sich darin, im Rahmen einer sogenannten
Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe
zu fordern. Entsprechende Gesetzespläne und Geheimpapiere sind von den
in der Bundesrepublik etablierten Parteien vorbereitet worden.
Eine Abschaffung der Arbeitslosenhilfe wäre der schwerste und folgenreichste
Einschnitt in das bundesdeutsche Wirtschafts- und Sozialsystem in den letzten
Jahren:
- Arbeitslose und deren Familien sollen in die Sozialhilfe gedrängt werden.
Armut, Niedrigstlohnjobs und ungeschützte Beschäftigung sind deren
Perspektive. Dies betrifft ebenso die (Noch-)Erwerbstätigen, die in Zukunft
arbeitslos werden.
- Auf die Arbeitseinkommen und -bedingungen der Erwerbstätigen wird durch
die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe ein immenser Druck ausgeübt.
- Die Wirtschaft, insbesondere der Klein- und Mittelstand, wird durch die sinkende
Kaufkraft der Bevölkerung an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen.
Die Menschen haben es satt, dass durch eine neoliberale Politik immer mehr
Menschen in Armut, ob nun mit oder ohne Arbeit, gedrängt werden.
Wir rufen Euch auf zu öffentlichen und medienwirksamen
Protestaktionen gegen die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe
am 07.06. 2002 in Euren Kommunen.
Der Bundesweite Runde Tisch der Erwerbslosenorganisationen und Sozialhilfeinitiativen:
Arbeitslosenverband Deutschland (ALV D),
Bundesarbeitsgemeinschaft der unabhängigen Erwerbsloseninitiativen (BAG E),
Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfeinitiativen (BAG SHI),
Europäischen Märsche gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung
und Ausgrenzung,
Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen (KOS),
Landeskoordinationen der Erwerbslosengruppen.
Herunterladen als rtf-Datei und
als pdf-Datei
2. Zu der Koalitionsvereinbarung der rot-roten Berliner Regierung
a. Offener Brief der "Initiative Anders Arbeiten" zur den Berliner
Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und PDS
Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister Wowereit,
sehr geehrte Frau Senatorin Knake-Werner,
sehr geehrter Herr Senator Gysi,
mit großem Interesse haben wir uns durch Ihre Koalitionsvereinbarung
gearbeitet. Insbesondere haben wir uns mit den Punkten 13. Arbeit und 14.Soziales
auseinandergesetzt.
Die rot-rote Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik unterscheidet sich nicht von der
unsozialen rot-grünen Politik auf Bundesebene. Ausgaben für Sozialessollen
eingespart werden, und ein umfangreiches Instrumentarium zur Senkung der Sozialhilfekosten
zur Anwendung kommen. Ihr Leitbild zur Arbeit:
"Existenz sichernde Erwerbsarbeit ist eine wesentliche Grundlage unseres
wirtschaftlichen Wohlstands. Sie sichert den Einzelnen den eigenen Lebensunterhalt,
schafft soziale Sicherheit und bestimmt gesellschaftliche Entwicklungschancen
und soziale Anerkennung." Das klingt schön und gut, aber es entspricht
doch schon lange nicht mehr der gesellschaftlichen Realität. Ein solches
Leitbild ignoriert, daß diese "Existenz sichernde Erwerbsarbeit"
nicht mehr für alle möglich ist und es auch in Zukunft nicht sein
wird. Aus unserer Sicht wären neue Leitbilder erforderlich, die eine Vielfalt
an Lebensentwürfen und -abschnitten, auch jenseits der Erwerbsarbeit, zulassen.
Untrennbar damit verbunden ist natürlich die Frage der Existenzsicherung,
wenn denn die Erwerbsarbeit dies nicht mehr in ausreichendem Maße leisten
kann. Wir treten ein für eine bedingungslose Grundsicherung in Form eines
Existenzgeldes für alle. Dahinter steckt ein anderes Leitbild als das von
Ihnen im Rahmen der Durchsetzung des Job-AQTIV-Gesetzes und auch bei der Vermittlung
von SozialhilfeempfängerInnen in dauerhafte Beschäftigung benannte
"Fördern und Fordern". Denn "Fördern und Fordern"
läuft in letzter Konsequenz hinaus auf "nur wer arbeitet soll essen"
(auch wenn wir Ihnen persönlich solche Überzeugungen nicht unterstellen
wollen). Unser Leitbild lautet statt dessen: "Jeder Mensch hat von Geburt
an ein unabdingbares Recht auf Existenzsicherung und Befriedigung menschlicher
Grundbedürfnisse. Oberstes Ziel einer Gesellschaft soll es sein, dieses
Recht für alle materiell zu gewährleisten."
Wir wissen natürlich, welch große Bedeutung Erwerbsarbeit für
den überwiegenden Anteil der Bevölkerung heute hat, und wie sehr die
meisten Erwerbslosen unter ihrer Situation leiden. Insofern sehen wir durchaus
Ansätze und guten Willen in Ihrer Vereinbarung. Sehr erstaunt sind wir
allerdings, daß ein "Öffentlich geförderter Beschäftigungssektor
(ÖBS)" nicht einmal benannt ist. Warum hat sich die PDS so schnell
von einem ihrer Lieblingskonzepte verabschiedet? Das ÖBS-Konzept sollte
Beschäftigung mitsoziokultureller und ökologischer Daseinsvorsorge
verbinden und auf Nachhaltigkeit angelegt sein. In den von Ihnen geplanten "Beschäftigung
schaffenden Infrastrukturmaßnahmen (BSI)" hingegen werden Menschen
(wie in herkömmlichen ABM auch) untertariflich und befristet eingesetzt.
Für die einen mag dies immerhin eine wichtige berufliche Erfahrung darstellen,
für andere wird wertvolle Lebenszeit vergeudet, ohne daß sich an
ihrer Berufsperspektive etwas verbessert. Nachhaltige Beschäftigung entsteht
jedenfalls nicht.
Sehr gefreut hat uns die geplante "Gründung von Stadtteil- und Produktivgenossenschaften".
Wir hoffen sehr, daß damit endlich Rahmenbedingungen geschaffen werden,
die die bisherige Benachteiligung dieser Form der selbstorganisierten Existenzsicherung
aufheben. Denn noch ist es leider so, daß Menschen, die sich im Rahmen
ihrer eigenen Genossenschaft ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis
schaffen möchten, weder die sonst üblichen Lohnkostenzuschüsse
bekommen, noch die Existenzgründungshilfen für Unternehmensgründungen
oder berufliche Selbständigkeit.
Aus aktuellem Anlaß möchten wir noch unser Befremden darüber
äußern, dass Ihr Kollege Herr Sarrazin die von Sparmaßnahmen
betroffene Bevölkerung verhöhnt (Stichwort: Jogginganzüge) und
den schlimmen finanziellen Zustand dieser Stadt auf die mangelnde Leistungsbereitschaft
der BerlinerInnen zurückführt, wo doch jedeR weiß, einen wie
großen Anteil ihrer finanziellen Probleme diese Stadt der Ausplünderung
durch die Bankgesellschaft verdankt. Aus unserer Sicht hat Herr Sarrazin sich
damit als Senator für diese Stadt und ihre Bevölkerung diskreditiert.
Vielleicht können Sie ihm im kollegialen "Profiling" eine Anpassungsqualifizierung
anbieten, damit erlernt, mit den Problemen dieser Stadt angemessen umzugehen.
Wir werden die Umsetzung der Koalitionsvereinbarung kritisch beobachten und
wieder auf Sie zukommen.
Mit freundlichen Grüßen
Baufachfrau Berlin e.V., Rüdiger Brandt, Karla Gunhild Brandler, Karin
Danielmeier, Lothar Eberhardt, Wilma Effertz, Karin Fink, Jürgen Freier,
Frauke Heel, Stephanie Hensche, Dieter Hoch, Anja Lehmann, Nicole Leopold, Monika
Lindner, Jochen Gester, Brigitte Knopf, Dino Laufer, Marion Rädisch, Cornelia
Rasulis, Yvonne Reiner, Olaf Rose, Ulrike Schumacher, Anne Seeck, Elisabeth
Voß, Ulrich Weiß, Susanne Woernle, Gerald Wolf, Riccarda Zitaroczky
Die "Initiative Anders Arbeiten" ist ein Zusammenhang verschiedener
Gruppen und Einzelpersonen, der sich aus der Vorbereitung und Durchführung
des Kongresses "Anders arbeiten oder gar nicht?!" im April 1999 in
der Berliner Humboldt-Universität, veranstaltet u.a. von Netzwerk Selbsthilfe
und Contraste Monatszeitung für Selbstorganisation, entwickelt hat. Das
Anliegen unseres Kongresses war es, die verschiedenen Ansätze des sog.
"Dritten Sektors" aus den Bewegungen der Genossenschaften, der Selbstverwaltung
und der Bürgerrechtlerinnen zusammenzuführen und Ausgestaltungsmöglichkeiten
sozialer Ökonomie und Perspektiven selbstbestimmter Arbeit zu diskutieren.
Es wurde ein "Frühlingspapier" verabschiedet, in dem u.a. Vorschläge
für konkrete Maßnahmen zur Förderung von selbstorganisiertem
Leben und Arbeiten und von lokalem Wirtschaften für eine nachhaltige Entwicklung
sowie zum Umbau des öffentlich geförderten Beschäftigungssektors
formuliert wurden. Wir führen weiterhin Veranstaltungen zu aktuellen Themen
durch.
ANDERS ARBEITEN
c/o NETZWERK BERLIN
GNEISENAUSTR: 2a
10961 BERLIN
TEL: (030) 691 30 72
FAX. (030) 691 30 05
Email: andersarbeiten@t-online.de
http://www.contraste.org/anders-arbeiten
b. Die Antwort Gregor Gysis
Dr. Gregor Gysi
Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen
Berlin, den 11.4.02
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihr offener Brief vom März 2002 hat mich erreicht.
Die PDS tritt nach wie vor bundespolisch für die Einführung einer
existenzsichernden Grundsicherung ein. Dazu gibt es mehrere Anträge der
Bundestagsfraktion. Allerdings ist eine solche Grundsicherung in einem einzelnen
Land nicht realisierbar und eine Koalitionsvereinbarung darf keine Illusion
verbreiten. Abgesehen davon lässt die gegenwärtige Haushaltslage in
Berlin auch finanziell einen solchen Sonderweg nicht zu. Die Frage der existenzsichernden
Grundsicherung wird aber auf der Tagesordnung der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung
in Deutschland bleiben.
Richtig ist, dass Sie den Begriff des "öffentlich geförderten
Beschäftigungssektor" in der Koalitionsvereinbarung nicht finden.
Allerdings wird es Ihnen nicht schwer fallen , darauf zu kommen , woran das
liegt. Andrerseits beschreiben Sie selbst Ziele, die in der Koalitionsvereinbarung
formuliert sind, die letztlich dazu beitrügen, eine Art öffentlich
geförderten Beschäftigungssektor zu schaffen. Auf der anderen Seite
müssen wir auch alle vom Bund angebotenen Instrumentarien in der Arbeitsmarktpolitik
nutzen, um möglichst vielen Menschen einen anderen Status zu ermöglichen,
die den Status der Erwerbslosigkeit als demütigend unabhängig von
den damit verbundenen finanziellen Einschränkungen empfinden.
Mit freundlichen Grüßen
Gregor Gysi
Kurz gemeldet - Erfreuliches aus Berlin:
Die HÄNGEMATTEN WERDEN WIEDER AKTIV:
Mit neuen Veranstaltungen wollen wir unsere eingeschlafene Ini wieder aufleben
lassen. Unser Programm für April, Mai und vorläufig für Juni
. Für Juni sind kleinere Ergänzungen geplant.
Projekt OST -WEST DIALOG
Dieses Projekt ist von Netzwerk Selbsthilfe gefördert.
Die Hängematten, das sind Menschen aus Ost und West mit sehr unterschiedlichen
Meinungen zur DDR und BRD, aber mit ähnlichen Erfahrungen zu Erwerbslosigkeit
und Sozialabbau im Kapitalismus. Das was in den letzten Jahren staatlicherseits
an Vergangenheitsbewältigung gelaufen ist, lehnen wir aber alle ab. Wir
wollen keine staatlich - oder gesellschaftlich - "verordnete Verteufelung"
der DDR und keine "Verherrlichung der sozialen Marktwirtschaft", die
realistisch betrachtet, immer mehr zum Kapitalismus mutiert.
Wir wollen diskutieren ,was passsiert ist und sehen , was machbar ist. UND wir
wollen eine Geschichtsaufarbeitung von unten, d.h. wir wollen unsere Alltagserfahrungen
einbringen.
Dazu ist JEDE und JEDER eingeladen
# Thema der nächsten Veranstaltung am 13.5.2002, 20 Uhr
Polizei, Justiz, Strafvollzug und Repression
Ab sofort leben unsere monatlichen Diskussionsabende wieder auf.
Alle Veranstaltungen im Stadtteilladen Zielona Gora, Grünbergerstr.73
jeweils um 20 Uhr mit zwei Inputreferaten und anschließender Diskussion:
# Freitag 26.4: Terror gegen Arbeitslose
# Freitag 17.5: Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe
Für die HÄNGEMATTEN
Dieter Hoch
ANDERS ARBEITEN
c/o NETZWERK BERLIN
GNEISENAUSTR: 2a
10961 BERLIN
TEL: (030) 691 30 72
FAX. (030) 691 30 05
Email: andersarbeiten@t-online.de
http://www.contraste.org/anders-arbeiten
4. Neu auf der BAG-E homepage:
Aus aktuellem Anlass, sozusagen in letzter Minute, kommt diese April-INFO etwas
verspätet. Ich hoffe, die Flugblattvorlage mit dem Aufruf ist noch rechtzeitig
angekommen für die Aktivitäten am 1. Mai... Viel Erfolg bei den Aktionen.
Wie immer können Beiträge für die BAG-E INFO zum Themenbereich
Erwerbslosigkeit, Sozialhilfe, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik etc. per mail
an
verteiler@bag-erwerbslose
geschickt werden.
Solidarische Grüße
Frank
Bundesarbeitsgemeinschaft der unabhängigen Erwerbsloseninitiativen
BAG-E
Kontakt:
BAG-E c/o Frankfurter Arbeitslosenzentrum (FALZ) e.V.
Solmsstr. 1a
60486 Frankfurt/M
fon: 069-700425, fax: 069-70 48 12
e-mail: kontakt@bag-erwerbslose.de
oder zentrum@falz.org
Verteiler: verteiler@bag-erwerbslose
(c/o Frank Jäger, Schleusenstr.11, 60327 Frankfurt)
Internet: www.bag-erwerbslose.de
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