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BAG-E - Info 06/03 die Erste

29.06.2003


Hallo MitstreiterInnen und UnterstützerInnen,

während die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe bis zum September in einen Gesetzestext, gegossen werden soll, gibt es zurzeit noch keine konkreten Informationen, wie die neue Leistung ALG II ausgestaltet werden soll. Klar ist nur, dass die betroffenen Alhi-BezieherInen sich auf erhebliche Leistungskürzungen einzustellen haben. Auch die Kürzung der Bezugsdauer vom ALG ist glücklicherweise noch nicht in trockenen Tüchern. Die aktuellen Meldungen, dass es vielleicht doch nicht zu drastischen Verkürzung der Bezugsdauer für Erwerbslose über 45 Jahren kommt, basieren wohl auf den inzwischen geäußerten rechtlichen Bedenken, wonach den Versicherungszeiten und dem Eigentumsschutz höhere Priorität eingeräumt werden müsse (s. hierzu unter 4.).

Doch neben den rechtlichen Knackpunkten, die einer zügigen Verabschiedung der Hartzgesetze drei und vier noch im Wege stehen, wird es auch auf den gesellschaftlichen Widerstand gegen die geplante Enteignung von Erwerbslosen ankommen, um das Schlimmste noch zu verhindern. Von den Gewerkschaften ist da zurzeit nicht viel zu erwarten. Doch es gibt noch Initiativen zum Widersatnd, die von anderen Gruppen ausgehen, auf die in dieser INFO hingewiesen wird (2.). Des weiteren finden sich hier Informationen über rechtliche Möglichkeiten, gegen die neue Vermögensanrechnung bei der Alhi vorzugehen (4.), über neue Publikationen (3.) und, gleich im Anschluss, über die Pflicht zur Arbeitssuchmeldung, die seit 1. Juli für alle von Erwerbslosigkeit Bedrohten gilt.

Inhalt

  1. Vorsicht Falle: Arbeitssuchmeldung ab 1. Juli
  2. Einladung zum 3. Koordinierungstreffen der regionalen Bündnisse gegen Hartz & Co
  3. Neue Publikationen
  4. Links und Material

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1. Vorsicht Falle: Arbeitssuchmeldung ab 1. Juli

Pressemitteilung von Tacheles e.V. und BAG-SHI e.V.

Frankfurt, 24.06.2003

Neue Meldepflicht bei drohender Erwerbslosigkeit - Arbeitssuchmeldung ab 1. Juli Pflicht !

Von der Öffentlichkeit bislang weitgehend unbeachtet tritt zum 1. Juli eine wichtige Neuregelung im Sozialgesetzbuch III in Kraft. ArbeitnehmerInnen müssen sich dann unverzüglich beim Arbeitsamt arbeitssuchend melden, sobald sie ihre Kündigung erhalten. Auch andere Personengruppen, die aufgrund ihres Status' arbeitslosenversichert sind, müssen der neuen Meldepflicht folge leisten. So müssen sich z.B. auch Wehr- und Zivildienstleistende, Frauen im Mutterschutz, Personen in der Erziehungszeit oder Menschen mit einer längerer Krankheit bereits bis zu drei Monate vor dem absehbaren Ende dieses Versicherungspflichtverhältnisses beim Arbeitsamt arbeitssuchend melden. Erfolgt diese frühzeitige Meldung nicht "unverzüglich nach Kenntnis des Beendigungszeitpunktes" (§ 37 b SGB III), werden die Betroffenen mit einer Minderung ihres Arbeitslosengeldanspruchs abgestraft.

Während die Betroffenen sich bislang am ersten Tag der Arbeitslosigkeit beim Amt melden mussten, hat die neue Arbeitssuchmeldung innerhalb einer Frist von sieben Kalendertagen beispielsweise nach erhalt der Kündigung oder dem Abschluss eines Auflösungsvertrages zu erfolgen. In der Regel dürfen demnach Noch-ArbeitnehmerInnen beim Amt vorsprechen, wenn ihnen der Schreck über den Verlust ihres Arbeitsplatzes noch in den Knochen steckt. Von der Meldepflicht ausgenommen sind lediglich kurzzeitig Beschäftigte, Personen mit Minijobs und Auszubildende in den Betrieben.

Die Höhe der Kürzung des Arbeitslosengeldes bei verspäteter Arbeitsuchmeldung richtet nach dem letzten Verdienst. Die Bezüge werden pro Tag der verspäteten Meldung um 7 bis max. 50 Euro vermindert. Bei einer Anrechnung von höchstens 30 Verspätungstagen können so Kürzungen beim Arbeitslosengeld bis zu 1500 Euro vorgenommen werden.

Bei der beschäftigungspolitischen Wirksamkeit der Maßnahme sind jedoch erhebliche Zweifel angebracht. Während die Arbeitsverwaltung stärker belastet wird, entsteht mit der neuen Meldepflicht kein einziger neuer Arbeitsplatz. Dagegen drängt sich der Verdacht auf, dass die Bundesanstalt für Arbeit mit Hilfe der Leistungsminderung weitere Mittel einsparen will, denn die von der Behörde angekündigte "groß angelegte Informationskampagne" lässt bislang auf sich warten.

Nun ist zu befürchten, dass es augrund der Unwissenheit der Meldepflichtigen zur massenhaften Minderungen von Arbeitslosengeldansprüchen kommt, wenn die Neuregelung nicht innerhalb kürzester Zeit in den Medien publik gemacht wird. Als Betroffenenvertretung bitten wir Sie deshalb, offensiv über den Sachverhalt zu berichten. Als zusätzliche Informationsgrundlage finden Sie ein umfangreiches Papier über die rechtlichen Aspekte der Arbeitsuchmeldepflicht im Anhang.

Harald Thomé (Tacheles e.V.) und Frank Jäger (BAG-SHI e.V.)


Hierzu die ausführliche Information zum Herunterladen als rtf-Dokument


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2. Einladung zum 3. Koordinierungstreffen der regionalen Bündnisse gegen Hartz & Co

Liebe MitstreiterInnen,

der bundesweite Widerstand gegen Sozialabbau und Lohndumping liegt nach der Ankündigung der Gewerkschaftsführung, erst mal eine "Sommerpause" einzulegen, nun erst mal auf Eis. Wir sollten uns daher überlegen, wie die regionalen Bündnisse gemeinsam mit möglichen Bündnispartnern die Proteste weiterführen können. Die Lesungen der dritten und vierten "Hartzgesetze" im Parlament werden voraussichtlich nach der Sommerpause im September stattfinden. Damit das Gesetzesvorhaben nicht ohne öffentliches Aufsehen durch den Bundestag geschleust wird (und dann im Bundesrat noch mit Grausamkeiten der Union angereichert), muss sich deutlicher als bisher Widerstand formieren.

Bei attac gibt es Bestrebungen, am Rande der Sommerakademie Anfang August eine Aktionskonferenz zu machen, um Protest gegen die Agenda zu organisieren. Hier könnten wir z.B. uns einbringen und ggf. ein Aktionsbündnis schließen.

Eine Abstimmung der Anti-Hartz & Co Gruppen noch im Juli halten wir daher dringend für notwendig.

Das Treffen wird am Samstag, den 19. Juli, in Frankfurt/Main stattfinden.

Beginn: 11.30 h
im Bürgerhaus Gallus, Frankenallee 111
Dauer: bis ca. 16.00 h

Wegbeschreibung:

Zum Bürgerhaus Gallus kommt mensch von Frankfurt Hbf mit den S-Bahnen 3 bis 6 (die Richtungen: Bad Soden, Kronberg, Bad Homburg/ Friedrichsdorf und Friedberg).

Nur eine Station (Kurzstrecke) bis zur Galluswarte fahren. Ausgang S-Bahn Station links in die Günderrodestr. (parallel zu den Gleisen) bis zur nächsten Kreuzung. Das ist bereits die Frankenallee. Dann links unter der Bahnunterführung durch kommt hinter einer kleinen Kreuzung schon das Bürgerhaus Gallus (max. 3 min. Fußweg).

Wir schlagen folgende Tagesordnung vor:
  1. Bericht aus den Bündnissen
  2. Bericht von der Pressekonferenz am 30.06.
  3. Einschätzung des Mobilisierungspotentials für bundesweiten Protest
  4. Stellungnahme von attac zur geplanten Aktionskonferenz (einE InitiatorIn der attac Konferenz ist angefragt), anschl. Diskussion
  5. Konkrete Planung von Aktionen
  6. Verschiedenes

Die Tagesordnung ist natürlich offen für weitere Vorschläge

Die TeilnehmerInnen unseres Treffens sollten sich per mail bei
bagshi-frankfurt@web.de oder mag.wompel@labournet.de melden, damit wir ungefähr wissen wie viele Leute kommen.

Solidarische Grüße
Mag Wompel und Frank Jäger



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3. Neue Publikationen


a. Die Arbeitslosenzeitung quer im Juni


Liebe Freundinnen und Freunde der quer, liebe MitstreiterInnen,

die Juni-Ausgabe der quer ist endlich fertig. Nachfolgend unser Ankündigungstext.
Auch diesmal gibt's wieder zum Weiterverbreiten drei Hefte der April-Ausgabe zum Preis von vier Euro. Probehefte verschicken wir gegen Voreinsendung von 1,65 Euro in Briefmarken an die quer, siehe Aboschnipsel.

Mit freundlichem Gruß,
Guido Grüner / quer-Redaktion
E-mail: quer.infos@web.de


Die quer, Juni 2003

Für alle, die die Juni-quer schon vermisst haben: Hier ist sie! Druckfrisch steht darin zu lesen, was es mit der Agenda 2010 wirklich auf sich hat - frei nach dem Motto "Von der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zur Bekämpfung der Arbeitslosen". Ähnlich "rosig" sieht es in Sachen Sozialabbau aus. Unter dem Titel "Sommer, Sonne, Sozialabbau" verkündet quer-Denker Rainer Timmermann seine Nachrichten aus dem "Land der guten Laune³: Mini- und Midi-Jobs, Lohnverzicht und die Grüne Arbeitsoffensive hat er sich beim ersten Sonnenbad durch den Kopf gehen lassen.

Wer es ihm gleich getan und nun vor lauter Reformen und Verbesserungen einen Knoten im Kopf oder schlicht einen Sonnenbrand hat, sollte sich vor einem Arztbesuch unbedingt das quer-Interwiev mit Winfried Beck, dem Vorsitzenden des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte zu Gemüt führen. "In diesem Geschäft ist nichts heilig" lautet der Titel des Textes, der sich im Zuge der Gesundheitsreform umfangreich mit dem Verhältnis von Medizin & Ökonomie auseinander setzt.

Übrigens: Auswandern, zum Beispiel nach Frankreich, ist auch keine Lösung - Michel Rousseau zeigt, warum, in "Das Ende der Regierung Jospin... und die Erwerbslosigkeit in Frankreich."

Trotz Reformen, feiernden und beleidigenden Sachbearbeitern im Neustädter Sozialamt (hierzu: "Sozialhilfeempfänger warten - Sachbearbeiter feiern: Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Neustädter Sozialamt") und explodierenden Zahlen bei den Sperrzeiten seit Frühjahr ("hierzu: Vorsicht Fallen ­ Sperrzeiten explodieren"): Sand in den Kopf stecken gilt nicht. "quer lesen - querdenken - protestieren" heißt die Devise!

Einen schönen Sommer und eine auch unterhaltende Lektürestunde (zum Beispiel bei den Gedankenabschweifungen eines Querdenkers angesichts eines FRONTAL 21-Beitrages zu "Sindelfingen ­ eine deutsche Karriere") wünscht

die quer-redaktion



b. Das neue Buch von Rainer Roth


Nebensache Mensch - Arbeitslosigkeit in Deutschland


Frankfurt Mai 2003 DVS
600 Seiten Preis 15 €
ISBN 3-932246-39-X

Erschienen im Mai, wird es bereits vielfach als "Standardwerk" bezeichnet - und dies zu Recht. Auf 600 Seiten liefert Rainer Roth nicht nur eine Fülle aktueller Informationen und Hintergründen zu allen Argumenten der aktuellen Debatte um Faulheit von Millionen und Sozialstaatskosten sowie mögliche Gegenmaßnahmen. Das Verdienst des Werkes sind aber nicht nur Fakten und Argumente, sondern ihre Verständlichkeit für alle Betroffenen und eine parteiliche Bewertung durch den Autor - ohne einen erhobenen Zeigefinger! (Einleitung aus Labournet)


Aus dem Vorwort:

"Das Buch hat einen einzigen Zweck:
Es will nachweisen, dass nicht LohnarbeiterInnen und Arbeitslose für die Arbeitslosigkeit verantwortlich sind, sondern das Kapital. Und es will nachweisen, dass die Lösung des Problems nicht darin liegen kann, dass die LohnarbeiterInnen sich unter der Leitung von Gewerkschaftsfunktionären selbst bekämpfen.
Arbeitslosigkeit bedeutet eine ungeheuere Verschwendung menschlicher Energien. Die Wirtschaftsordnung, die solche Probleme erzeugt, steht selbst auf dem Prüfstand.

Die Zusammenhänge, in denen die Arbeitslosigkeit steht, sind hochkompliziert.
Mit dem Buch versuche ich, ein Raster zu entwickeln, in das die ungeheuere Flut der Informationen eingeordnet werden kann.
Die Teile 1 bis 3 bauen zwar aufeinander auf. Dennoch ist jedes Kapitel wiederum in sich abgeschlossen. Sie können deshalb an jeder beliebigen Stelle, die sie interessiert, anfangen zu lesen. ...
Das Buch soll dazu beitragen, dass die LohnarbeiterInnen, ob beschäftigt oder arbeitslos, sich ein Bild machen können. Auf sie kommt es letztlich an.
Das Buch soll dazu beitragen, Selbstbewusstsein und Selbstachtung zu behalten und Kraft zu gewinnen. Menschen sind keine Nebensache. Sie müssten im Mittelpunkt stehen."



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4. Links und Material


a. ALG - Verkürzung der Bezugsdauer rechtswidrig?

Gutachten zur Verkürzung der Anspruchsdauer auf ALG in der Umsetzung der Agenda 2010 - Prof. Dr. U. Mayer, Uni für Wirtschaft und Politik, Hamburg, 23. Juni 2003

Herunterladen als pdf-Dokument von der BAG-E homepage


b. Private Altersvorsorge und Arbeitslosenhilfe

Rechtliche Möglichkeiten gegen Ausgrenzung

Informationen und Musterwiderspruch zum Herunterladen als pdf-Dokument von der homepage der Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen unter:
http://www.erwerbslos.de/download/a-info80einleger.pdf


c. Juni-Flugblatt der Ruhrgebiets Arbeitsgemeinschaft "Soziale Grundrechte"

Agenda 2010: Die Regierung will jetzt das Programm der Unternehmer umsetzen!

Herunterladen als PDF-Dokument bei Labournet unter:
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/berichte/juni.pdf


d. Lohnwucher in Wismar

Jugendliche SozialhilfebezieherInnen werden vom örtlichen Sozialamt in so genannte Praktika gedrängt (Stundenlohn 2,24 €, wer ablehnt bekommt die Sozialhilfe gestrichen). Das Verwaltungsgericht Schwerin hat diese Praktika jetzt als sittenwidrig bezeichnet, der Arbeitsvertrag verstoße mehrfach gegen geltendes Arbeitsrecht.

Mehr dazu im Bericht bei "Arbeit Zukunft", der Zeitung der "Organisation für den Aufbau einer kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands" unter:
http://www.arbeit-zukunft.de/content/az0306.htm



Leider ist es uns nach wie vor aus Zeitgründen nicht möglich, diese Info wie gewohnt monatlich herauszugeben. Doch auch zwischendurch lohnt sich ein Blick auf die BAG-E homepage, da nicht alle Neuerungen per mail angekündigt werden.

Wie gewohnt können Beiträge für die BAG-E INFO zum Themenbereich Erwerbslosigkeit, Sozialhilfe, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik etc. per mail an verteiler@bag-erwerbslose geschickt werden.

Achtung: Das Frankfurter Arbeitslosenzentrum (FALZ) hat eine neue Postanschrift (s.u.).

Solidarische Grüße
Das FALZ-Team



Bundesarbeitsgemeinschaft der unabhängigen Erwerbsloseninitiativen
BAG-E


Kontakt:
BAG-E c/o Frankfurter Arbeitslosenzentrum (FALZ) e.V.
Am Hauptbahnhof 18
60329 Frankfurt/M
fon: 069-700425, fax: 069-70 48 12
e-mail: kontakt@bag-erwerbslose.de
oder zentrum@falz.org
Verteiler: verteiler@bag-erwerbslose
(c/o Frank Jäger, Friedrichstr. 24, 61476 Kronberg)
Internet: www.bag-erwerbslose.de



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