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Protokoll des kleinen BAG-E Treffens am 03. und 04. November 2001 in Frankfurt
Inhalt:
- Diskussion: Die organisatorischen Perspektiven und die politischen Möglichkeiten
- Die Konsequenzen für unsere praktische Arbeit
- Die Präsenz der BAG-E in den diversen Gremien und Projektarbeit
- Der nächste Schritt
1. Diskussion: Die organisatorischen Perspektiven und die politischen Möglichkeiten
Diese offene Diskussion umfasste ein sehr breites Themenfeld.
Die Teilnehmerinnen stimmten darin überein, dass auch in einer Zeit organisatorischer
Flaute der Bedarf an einem Zusammenschluss unabhängiger Erwerbsloseninitiativen
besteht, der in der Lage ist einen systemkritischen Ansatz zu verfolgen und
aufgrund seiner politischen Unabhängigkeit kein Blatt vor den Mund nehmen
muss. Die in unserer Plattform und nachfolgenden Arbeiten festgeschriebenen
Analysen, die politischen Grundpositionen und Forderungen repräsentieren
das politische Selbstverständnis der Aktiven und UnterstützerInnen
und sollen auch weiterhin als Arbeitsgrundlage dienen.
Die künftigen Felder der politischen Auseinandersetzungen und ihre Relevanz
für Erwerbslose und Marginalisierte auf dem Arbeitsmarkt - genannt wurden
hier das "Job-AQTIV-Gesetz", "MOZART" und die geplante Zusammenlegung
von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, die differenzierten an Intensität zunehmenden
"workfare-Maßnahmen" auf regionaler Ebene aber auch der nahende
Wahlkampf - erforderten geradezu eine Ausweitung der BAG-E Aktivitäten.
Diesen ambitionierten Erwartungen einer notwendigen Intensivierung der politischen
Arbeit stand jedoch eine nüchterne Einschätzung unseres tatsächlichen
Potentials gegenüber: Der Kreis der Aktiven ist kleiner geworden und die
meisten sind stark in die Initiativen- und Beratungsarbeit vor Ort eingebunden.
Mittel und Möglichkeiten zur Beschäftigung einer hauptamtlichen Kraft
oder zur Finanzierung der notwendigen Arbeitsmaterialien haben wir nicht. Die
Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass unter diesen Umständen
beispielsweise eine bundesweite Koordination von Kampagnen nicht möglich
ist. Die gegenwärtige Mobilisierungsschwäche in unseren Zusammenhängen
ist ein wesentlicher Grund für diesen Zustand und sie blockiert zudem den
Zugang neuer UnterstützerInnen. Selbst der inhaltlichen Arbeit, die einen
regelmäßigen Austausch voraussetzt und viel Vorbereitungszeit in
Anspruch nimmt, sind unter diesen Vorzeichen sehr enge Grenzen gesetzt.
Da auf absehbare Zeit keine Verbesserung dieser Situation zu erwarten ist,
wurde der Rahmen abgesteckt, in dem die Arbeit und die inhaltlichen Schwerpunkte
der BAG-E mit Blick auf die vorhandenen Organisationsstrukturen realisiert werden
soll.
Als Leitlinien wurden genannt:
- Die BAG soll als "Mitfahrzentrale" für gemeinsame Themenarbeit
von Inis nutzbar gemacht werden, d.h. als Informationsdrehscheibe über
Projektarbeit der Gruppen informieren, und somit Kontakte zwischen den Gruppen
mit gleichen Arbeitsschwerpunkten ermöglichen. Berichte über Aktionen
und die Übermittlung von Material (z.B. Flugis) könnten als Initialzündung
für andere Gruppen dienen und würden dort die Arbeit erleichtern.
- Die konkreten Arbeitsschwerpunkte sollen auf lokaler Ebene konzentriert werden.
Über die kontinuierliche Information der BAG-E über die Projekte und
Aktivitäten vor Ort können die politischen Inhalte thematisiert und
transportiert werden. Die Voraussetzung dafür bietet die gemeinsame Plattform
mit den programmatischen Grundpositionen und Forderungen sowie das politische
Selbstverständnis als Gruppe mit einem systemkritischen Ansatz.
- Wenn das nötige Mobilisierungspotential gegeben ist, sollte die BAG
wieder in der Lage sein, überregional Initiativen zu vertreten und Aktionen
zu koordinieren.
Damit ist jedoch eine Situation gemeint, die nicht nur durch die Erhöhung
des äußeren Drucks (z.B. Verschärfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen)
gekennzeichnet ist, sondern in der eine Mobilisierung bei den Betroffenen über
das übliche Maß hinaus bereits stattgefunden hat. Nur in einer solchen
Lage ist unseres Erachtens die Planung und Durchführung von überregionalen
Aktionen oder einer Kampagne unter BAG-E Koordination erfolgversprechend und
förderlich für die Erweiterung der Strukturen, denn sonst droht die
Gefahr, dass sich weinige Aktive in aussichtslosen Kämpfen "auspowern".
- Ein jährliches Bundestreffen soll den persönlichen Austausch, die
Ausrichtung der inhaltlichen und politischen Arbeit und die Legitimation der
Aktiven gewährleisten.
- Die Präsens der BAG-E in wichtigen überregionalen Gremien soll
erhalten werden.
- Unter den gegebenen Voraussetzungen können keine Kampagnen und keine
kontinuierliche Medienarbeit auf Bundesebene durchgeführt werden (s.o.).
2. Die Konsequenzen für unsere praktische Arbeit
- Durch die Verbesserung des Informationsflusses und eine effektivere Vernetzung
der Gruppen können die oben formulierten Kernaufgaben im Wesentlichen geleistet
werden, ohne die schwachen personellen Strukturen zu überfordern. Hier
gilt es vor allem, die Kommunikation über den Verteiler zu intensivieren.
Eine qualitativ verbesserte BAG-E INFO und eine aktuelle Homepage sollen den
Austausch und einen gezielten Zugriff zu Informationen gewährleisten und
gleichzeitig die Außenwirkung verbessern. Auch der begrenzte Postversandt
der INFO soll wieder aufgenommen werden, um auch diejenigen zu erreichen, die
keinen Zugang zum Internet haben. Damit diese Aufgaben für den Verteiler
leichter zu bewältigen sind sollen Infos und Materialien möglichst
so eingereicht werden, dass sie ohne redaktionelle Überarbeitung verwertbar
sind. Bestimmte Aufgaben sollen vom FALZ unterstützt werden. Die unterstützenden
Personen und Gruppen sollen die Sammlung und Versendung von relevantem Material
in ihren regelmäßigen Arbeitsablauf einplanem. Im Rahmen der Informationsverarbeitung
und -weiterleitung soll die Zusammenarbeit mit der quer ausgebaut werden, auch
um inhaltliche Überschneidungen zu vermeiden.
- Mit Hilfe eines Werbebanners, das in der linken Presse veröffentlicht
werden soll, wollen sich die BAG-E und die quer als Sprachrohr für die
Position der unabhängigen Erwerbsloseninitiativen vorstellen und sich als
Ansprechpartner anbieten, um unseren Aktivitäten und politischen Anliegen
eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen.
- Da einige Gruppen ihre BAG-E Aufgaben einschränken müssen, konzentriert
sich die institutionelle Arbeit (leider) weitgehend auf die Aktiven in Frankfurt.
Das FALZ wird demnach weiter als Kontaktadresse fungieren und in begrenztem
Umfang die Repräsentanz in den Gremien bzw. den Kontakt zu diesen gewährleisten.
Auch der Verteiler sitzt weiterhin in Frankfurt. Diese räumliche Nähe
sollte zumindest den Austausch und die gegenseitige Unterstützung befördern.
3. Die Präsenz der BAG-E in den diversen Gremien und Projektarbeit
- Der Zusammenschluss linker Gerwerkschafter(Innen)
Der gegenwärtige Arbeitsschwerpunkt der Gewerkschaftslinken (Tarifpolitik)
bietet nur wenige inhaltliche Anknüpfungspunkte für die BAG-E. Die
Mitarbeit dort wird daher zunächst ausgesetzt und kann bei Bedarf wieder
aktiviert werden.
- Die Nationale Armutskonferenz (NAK)
Zurzeit ist eine angemessene Vertretung der BAG-E Positionen innerhalb der NAK
kaum gewährleistet. Das äußert sich beispielsweise auch in einer
unzureichenden Kooperation mit den in der NAK vertretenen Bundesarbeitsgemeinschaften.
Diese mangelhafte Gremienarbeit, soll nach Rücksprache mit den Beteiligten
mittelfristig durch eine Neuorganisierung der Zuständigkeiten behoben werden.
- Existenzgeld
Im Oktober hat ein Exgeld-Treffen mit Aktiven und Insidern stattgefunden. Dort
wurde ein Positionspapier entworfen. Es wurde vereinbart im nächsten Jahr
eine größere Tagung mit Vertreterinnen und Vertretern von Organisationen
und Gruppen zu veranstalten, von denen eine potentielle Unterstützung zu
erwarten ist. Hier soll eine Abschätzung der Wirksamkeit der Exgeldforderung
vorgenommen werden. Je nach Verlauf dieser Tagung wird ein Kongress in Erwägung
gezogen.
- Der Runde Tisch der Erwerbslosenzusammenschlüsse (RT)
Neben den bundesweiten Zusammenschlüssen, von denen der ALV nur durch einen
Vertreter aus MeckVoPo vertreten ist, hat die Repräsentanz der regionalen
VertreterInnen dort deutlich zugenommen.
Arbeitsschwerpunkte seit der Tagung in Bielefeld 2000 sind u.a. "MOZART",
"Job-AQTIV", Leiharbeit, Pauschalierung und EU-Beschäftigungspolitik.
Um sich einen Überblick über die Ämterpraxis zu verschaffen,
wurde die Anfertigung von regionalen Berichten zu den Themen Arbeitsvermittlung
in den Bundesländern und "MOZART" vereinbart. Bislang brachte
diese Initiative jedoch nur wenig Ergebnisse und wurde deshalb verlängert.
Nach Einschätzung unserer Vertreter wurden am RT bislang kaum Fortschritte
bei der inhaltlichen Arbeit gemacht. Ein deutliches Eingreifen des Gremiums
in die politische Debatte sei kaum zu erwarten.
Als eine Konsequenz der Absage der in Bielefeld geplanten Kampagne wird vom
09. bis 11. Februar 2002 in Dresden eine Arbeitstagung veranstaltet. Hier soll
es um eine Bilanz der Erwerbslosenproteste, die künftigen Möglichkeiten
und das Mobilisierungspotential für politische Arbeit sowie die Perspektiven
für den Protest gehen.
- Euromarsch
Nach einem Kurzbericht über das Treffen der Bundeskoordination Euromarsch
am 15. und 16.09. in Köln und die geplanten Aktivitäten, wurde vereinbart,
den Kontakt zu Euromarsch weiter über die Ini in Mannheim laufen zu lassen
und die Aktionen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen.
4. Der nächste Schritt
Neben der optimierten Kooperation in unseren bescheidenen Strukturen von der
wir eine bessere Außenwirkung erwarten, ist die Frage nach einem erfolgreichen
Bundestreffen für die BAG-E von entscheidender Bedeutung. Da die BAG-E
durch die Aktivitäten der einzelnen Gruppen vor Ort lebt, ist die Beteiligung
von neuen oder bereits bekannten Gruppen und Initiativen oder deren konkrete
Unterstützung ein erklärtes Ziel.
Eine Festlegung auf einen baldigen Termin erscheint uns jedoch in der gegenwärtigen
Situation noch nicht sehr sinnvoll. Eine Entscheidung darüber soll daher
frühestens nach der Arbeitstagung der Erwerbslosenzusammenschlüsse
im Februar in Dresden (s.o.) fallen, nach der wir eine Neueinschätzung
der politischen Perspektiven vornehmen wollen.
Protokoll:
Frank Jäger
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